Zur Startseite | Zur Übersicht AlpenCross spezial 2013, Teil 1

Dienstag, 11.6.2013
Guarda -- Strada
(ca. 34 km, 425 Höhenmeter Anstieg)


Am Morgen bringt uns die Hausbesitzerin das Frühstück mit teilweise selbst zubereiteten Zutaten: frisches Brot, selbst gemachte Marmelade. Wir sind allerdings anscheinend von den Strapazen des Vortags noch so geschwächt, dass keiner von uns dreien das Marmeladenglas aufbekommt. Johannes ist ohnehin nicht im Vollbesitz seiner Kräfte – sein Verdauungsapparat ist durcheinander geraten ...

Wir starten um kurz nach 10 Uhr. Es ist noch frisch, aber zwischen den einzelnen, zum Teil tief hängenden Wolken kommt der blaue Himmel durch. Es geht rauf und runter durch das bezaubernde Inntal. Zunächst fahren wir erst einmal noch etwas weiter rauf. Dann geht es rund 200 Höhenmeter runter nach Ardez, nur um uns anschließend wieder ca. 160 Höhenmeter nach Ftan raufzukämpfen. Belohnt werden wir allerdings dafür mit einer tollen Fahrt nach Schuls runter: über 400 Höhenmeter auf einer Straße mit vielen tollen Serpentinen.

Das Inntal bei Schuls.
Das Inntal bei Schuls.


Von Schuls bis Strada

In Schuls bringt uns eine lange Fußgängerbrücke, die sich weit über das Tal spannt, auf die andere Seite des Inns. Hier in Schuls wäre eigentlich unser nächster Zeltplatz gewesen. Da wir gestern aber weiter als geplant gefahren sind, ist es jetzt noch zu früh (11.40 Uhr), um schon einen Zeltplatz anzusteuern. Außerdem geht es nun erst einmal weiter abwärts mit Flussgefälle (ca. 100 Höhenmeter). Das wollen wir nutzen, um noch etwas vorwärts zu kommen. Der Inn-Radweg führt jetzt in Flußnähe am Waldrand entlang und ist zunächst meist geschottert. Später sind die Wege aber auch matschig oder steinig. Das fährt sich dann nicht mehr ganz so toll.

Gut zwei Kilometer hinter Schuls gibt es außerdem eine spezielle Herausforderung: Ein kleiner Gebirgsbach quert unseren Weg. Das Wasser scheint nicht tief zu sein, aber auf dem Grund liegen dickere Steine. Nun hätten wir auch einfach den Steg nehmen können, der sich direkt neben der Furt befindet. Aber das wäre natürlich zu einfach. Und nachdem der erste von uns mutig – und erfolgreich – durchgefahren ist, gibt es für die anderen beiden auch keine Ausrede mehr. Ich nehme also beherzt Anlauf. Beim Durchfahren des Bachbettes werde ich trotz Vollfederung ordentlich durchgerüttelt und ziemlich abgebremst. Da ich noch genug Schwung habe, komme ich aber trockenen Fußes auf die andere Seite. Der Dritte Proband hat allerdings weniger Glück und bleibt an der tiefsten Stelle im Bachbett hängen – Fahrer und Fahrzeug kippen zur Seite in den Bach. Zum Glück gibt es außer nassen Klamotten keine Schäden. Dank wasserdichter Fahrradtaschen bleibt die Wechselbekleidung trocken. Schnell ist das nasse T-Shirts gegen ein trockenes getauscht und wir können die Fahrt fortsetzen.

Der Inntal-Radweg zwischen Schuls und Sur-En.
Der Inntal-Radweg zwischen Schuls und Sur-En.


Gegen Mittag zieht es sich zu und es regnet leicht. Als wir um 12.15 Uhr den Zeltplatz bei Sur-En erreichen, geht ein Schauer nieder. Wir nutzen die Gelegenheit für eine kurze Essenspause, denn die überdachte Holzbrücke dort bietet uns ausreichend Schutz vor dem Regen. Nach ca. 15 Minuten können wir schon wieder weiterradeln. So ganz hört der Regen aber nicht mehr auf und es bleibt kühl. Die Temperaturen liegen nur so zwischen 10 und 14 Grad.

Zunächst geht es noch weiter abwärts wie zuvor auch schon, allerdings mit kleinen kurzen Gegenanstiegen. Das ändert sich allerdings ca. 5 km hinter Sur-En. Jetzt geht es ordentlich den Hang hoch und tief in den Wald hinein (ca. 80 Höhenmeter) und anschließend etwas mehr Höhenmeter und noch steiler auf z.T. recht holprigen Feldwegen durch wunderschöne Wiesen wieder runter. Unsere Bremsen werden ziemlich gefordert. Der Reiseradler, der uns unten entgegenkommt, hat unser tiefes Mitgefühl ...
 

Unten durchfahren wir den Ort San-Nicla und überqueren – wir bewegen uns jetzt wieder auf Flußnivau – den Inn. Dahinter geht es aber gleich wieder (leicht) aufwärts nach Strada. Den gestrigen Tag haben wir doch nicht ohne einen gewissen Schwund weggesteckt. Selbst die im Vergleich zu gestern kürzeren Steigungen sind schon anstrengend. Außerdem haben die recht ruppigen Wege auf den letzten Kilometern zusätzlich Kraft gekostet. Als wir dann in Strada ein Zeltplatzschild entdecken, fällt uns die Entscheidung nicht schwer: Es reicht für heute!

Es ist zwar erst 15 Uhr als wir in Strada ankommen. Aber morgen steht ja schon wieder die nächste Passetappe an. Da wollen wir lieber wieder etwas Kräfte sammeln und ein „Waschtag“ kann auch nicht schaden. Außerdem ist Johannes noch etwas geschwächt.

Waschtag bei Reiseradlern (auf dem Zeltplatz in Strada).
Waschtag bei Reiseradlern (auf dem Zeltplatz in Strada).


Der Zeltplatz („Arina“) ist sehr klein. Und als wir ankommen sind wir die einzigen Gäste. Dafür gehört uns der wildromantische Blick ins Inntal ganz allein! Immerhin haben wir das Gefühl, dass sich das Wetter jetzt langsam stabilisiert. Es ist auch etwas wärmer geworden. Nachdem wir die Zelte aufgebaut und Kaffee getrunken haben, kommt allerdings noch einmal ein Schauer runter. Wir nutzen die Zeit, um ein Nickerchen zu machen.

Unsere Statistik ist heute nicht ganz so beeindruckend: Für die 34 Kilometer zwischen Guarda und Strada haben wir 2:20 h (reine) Fahrzeit gebraucht (Durchschnitt: 14,4 km/h). Dabei sind wir 425 Höhenmeter raufgeklettert.


Nachmittags- und Abendprogramm

Nachdem wir uns regeneriert haben, machen wir uns auf Erkundungstour durch Strada, um zu schauen, wo wir heute Abend etwas zu essen bekommen. Allerdings sind wir schnell durch den Ort durch. Das einzige Restaurant von Strada hat inzwischen geschlossen. Aber immerhin gibt es einen gut sortierten Lebensmittelladen. Dort erfahren wir, dass wir für das nächste Restaurant entweder zurück nach San-Nicla radeln oder 500 Höhenmeter steil den Berg rauflatschen müssen. Beides erscheint uns nicht sonderlich attraktiv.

Also decken wir uns mit Lebensmitteln ein und bruzzeln uns auf dem Zeltplatz mit meinem Mini-Gas-Kocher ein üppiges Menü (Ravioli aus der Dose). Für die Vitaminversorgung gibt es frische Paprika und Tomaten dazu. Da es ausreichend warm und trocken ist, können wir unser Mahl im Freien genießen. Für die Bequemlichkeit sorgt ein großer Tisch mit Bänken an der Zeltplatzwiese.

Später machen wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang den Berg hoch und haben auf diese Weise einen schönen Blick auf Strada und das Inntal. Dem werden wir morgen noch ein paar Kilometer folgen, bevor es dann rauf zum Reschenpass geht. Soweit das Auge reicht, sehen wir aber nur steile Berghänge. Kaum zu glauben, dass es dort irgendwo eine Straße gibt, die wir mit dem Fahrrad raufkommen.

Zurück auf dem Zeltplatz lassen wir den Abend ausklingen. Als es dämmert, ist die Luft auf einmal von brummenden Geräuschen erfüllt. Im Halbdunkel können wir „dicke“ Flugobjekte ausmachen, die torkelnd umherfliegen. Ein Schwarm verspäteter Maikäfer überfliegt unseren Zeltplatz.

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