Zur Startseite | Zur Übersicht AlpenCross spezial 2013, Teil 1

Mittwoch, 12.6.2013
Strada -- Naturns
(ca. 92 km, 836 Höhenmeter)


Über die Norbertshöhe rauf zum Reschenpass

Die Nacht war kühl und ich habe zwischenzeitlich in meinem Sommerschlafsack etwas gefroren. Als wir aufstehen, ist es immer noch frisch. Allerdings setzt sich schnell die Sonne durch und beschert uns einen herrlichen Blick aus dem „Hotelzimmer“ auf das Inntal und die umliegenden Berge. Das weckt rasch meine Lebensgeister, so dass ich gerne heute den Brötchendienst übernehme. Das Backwerk hatten wir gestern vorsichtshalber gleich beim Lebensmittelladen vorbestellt. Zum Frühstücken – bei strahlendem Sonnenschein – nehmen wir wieder den Tisch. Den Zeltplatz haben wir allerdings nicht mehr ganz für uns allein. Gestern Abend hatten sich dann doch noch ein paar Motorradfahrer eingefunden.

Um kurz nach 10 Uhr starten wir unsere zweite Passetappe. Nach ca. vier Kilometern mit leichtem Gefälle ist der Grenzort Martina schnell erreicht. Dort überqueren wir die Grenze nach Österreich. Danach geht es über eine Brücke auf die andere Seite des Inn und gleich dahinter beginnt die Passstraße. Diese Straße bringt uns in 12 nummerierten Kehren rund 400 Höhenmeter mit einer – im Vergleich zum Flüela – noch angenehmen Steigung rauf zur Norbertshöhe. Bis auf ein paar Pkws haben wir die Straße die meiste Zeit für uns. Im Vergleich zu unserer ersten Passfahrt macht sich allerdings das bessere Wetter bemerkbar. Die Sonne heizt uns schon spürbar ein. Allerdings ist die Luft noch kühl.

Blick von der Norbertshöhe in Richtung Nauders.
Blick von der Norbertshöhe in Richtung Nauders.


Um 11.10 Uhr erreichen wir die Norbertshöhe (1405 Meter über NN) und machen eine kurze Pause. Dann haben wir erst einmal eine schöne Abfahrt nach Nauders (knapp 100 Höhenmeter), bevor es dann weiter aufwärts zum Reschenpass geht. Schnell haben wir Nauders durchquert und dann geht es ohne Autoverkehr wunderschön durch die Wiesen und gesäumt von stattlichen Gipfeln. Die knapp 200 Höhenmeter von Nauders bis zum höchsten Punkt kurz vor dem Reschensee lassen sich angenehmen fahren. Oben – kurz vor dem höchsten Punkt – überqueren wir zum zweiten Mal heute eine Landesgrenze: Wir sind nun in Italien!

Wunderschöne Landschaft zwischen Nauders und Reschen.
Wunderschöne Landschaft zwischen Nauders und Reschen.


Vom Reschensee runter nach Glurns

Am Reschensee angekommen, stellt sich uns die Frage, ob wir besser links oder rechtsherum vorbei fahren. Bei meiner Etsch-Radtour 2006 führte die Hauptroute noch links am See entlang. Das war zwar ganz schön, weil man dann direkt am Ort Graun mit seiner im See versunkenen Kirche vorbeikommt. Ich kann mich aber daran erinnern, dass die Strecke an sich aber nicht wirklich toll zu fahren war. Mittlerweile führt die Hauptroute aber rechts am See entlang. Diese Variante nehmen wir dann auch und werden nicht enttäuscht. Der Weg ist hier durchgängig asphaltiert und führt uns auf schönen, verkehrsarmen Wegen immer mehr oder weniger am Seeufer entlang. Allerdings ist die Strecke etwas hügelig. Das ergibt aber durch die Höhe an vielen Stellen sehr schöne Ausblicke über den See.

Schön ausgebauter Radweg entlang des Reschensees.
Schön ausgebauter Radweg entlang des Reschensees.


Auch der Weg zwischen Reschen- und Haidersee ist inzwischen gut ausgebaut. Den Haidersee erreichen wir um kurz vor 13 Uhr. Hier gibt es am Ufer einige Bänke. Das nutzen wir für eine längere Essenspause. Der Haidersee glitzert herrlich in der Mittagssonne. Und in der Zwischenzeit ist es auch schön warm geworden.

Um 13.50 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Nun kommt der angenehme Teil der heutigen Etappe. Wenn man erst einmal am Haidersee vorbei ist, geht es praktisch nur noch abwärts. Unser heutiges Etappenziel liegt gut 900 Höhenmeter tiefer!

Zunächst geht es in einer rauschenden Abfahrt gut 200 Höhenmeter runter in den kleinen Ort Burgeis. Die gut 3 Kilometer lange Strecke führt auf einem gut asphaltierten Weg immer am Waldrand entlang. Wir durchfahren den Ortskern von Burgeis und folgen unserem Track an der Burg etwas unterhalb des Orts vorbei – und stehen dann vor einer Absperrung! Aufgrund von Bauarbeiten ist die eigentliche Radstrecke gesperrt. Das hätte man uns auch eher sagen können, denn jetzt müssen wir wieder zurück zur Hauptstraße durch den Ort und das bedeutet leider einen kurzen aber steilen Anstieg.

Auf der Umleitungsstrecke kurz vor Mals.
Auf der Umleitungsstrecke kurz vor Mals.


Oben finden wir denn auch die etwas unglücklich angebrachte Umleitungsbeschilderung. Statt des direkten Wegs runter nach Glurns müssen wir einen Umweg über Mals fahren. Der Weg durch die Felder ist aber auch ganz schön. Dann geht es entlang einer Straße nach Schleis und auf schönen Wegen nach Laatsch und weiter jetzt immer direkt an der Etsch entlang runter bis nach Glurns. Die Abfahrt zwischen Burgeis und Glurns ist nicht mehr ganz so rasant, aber immerhin geht es über gut 8 Kilometer fast 300 Höhenmeter abwärts.

Der Etsch-Radweg kurz vor den Toren des mittelalterlichen Städtchens Glurns.
Der Etsch-Radweg kurz vor den Toren des mittelalterlichen Städtchens Glurns.


Um ca. 14.50 Uhr treffen auf dem Marktplatz des mittelalterlichen Städtchens ein. An diesem schönen sonnigen Tag herrscht hier ein quirliges Treiben. Zeit und Ort sind perfekt für einen Kaffeepause. Wir finden gerade noch einen freien Tisch auf der Terrasse eines Cafes. Es ist herrlich warm. Und endlich – nach den doch bisher recht kühlen und regnerischen ersten Tagen unserer Tour – kommt so etwas wie ein Sommergefühl auf.


An der Etsch entlang nach Naturns

Nach einer halben Stunde setzen wir unsere Fahrt fort. Jetzt geht es meist direkt an der Etsch entlang. Für die nächsten 20 Kilometer haben wir dabei nur ein leichtes Gefälle. Trotzdem kommen wir weiterhin sehr gut vorwärts: Auf den super asphaltierten Wegen rollt es sich herrlich leicht. Außerdem haben wir auch noch Rückenwind. (Das habe ich hier bei früheren Radtouren auch schon ganz anders erlebt.)

Bei Prad führt die Radstrecke mangels Uferradweg wie 2006 immer noch weg von der Etsch und durch das Ortszentrum. Hier wäre es schön gewesen, wenn wir einfach weiter entlang der Etsch hätten „heizen“ können. Inzwischen ist die Ausschilderung aber besser geworden und Dank GPS brauchen wir keine Angst haben, dass wir uns Verfahren. Bevor wir den Ort verlassen, machen wir an einem öffentlichen Trinkbrunnen kurz Halt, um unsere Wasservorräte zu füllen. Schließlich sind wir schon einige Stunden unterwegs und das ungewohnt warme Wetter macht durstig.

Auf dem Etsch-Radweg zwischen Prad und Laas.
Auf dem Etsch-Radweg zwischen Prad und Laas.


Um ca. 16.15 Uhr erreichen wir Laas. Hier entdecken wir nah am Radweg einen Zeltplatz. Nach gut 60 Kilometern und etlichen Höhenmetern hätten wir es eigentlich für heute gut sein lassen können. Allerdings brennt die Sonne immer noch ziemlich unerbittlich vom blauen Himmel herunter und auf der Zeltwiese gibt es nicht das geringste Schattenfleckchen. Daher beschließen wir, uns lieber noch für ein paar Kilometer den kühlenden Fahrtwind um die Nasen wehen zu lassen. Laut Fahrradkarte treffen wir spätestens in Naturns auf den nächsten Zeltplatz. Das wären allerdings noch einmal 30 Kilometer. Da es aber weiter immer bergab gehen wird – das Gefälle nimmt jetzt sogar wieder zu – nehmen wir das Risko gerne in Kauf.

Auf den nächsten ca. 6 Kilometern bis Göflan ändert sich der Charakter der Strecke: Ging es bisher schnurgeradaus auf gut asphaltierten Wegen an der kanalisierten Etsch entlang, so zeigt sich die Etsch nun aufgrund des starken Gefälles als wilder Gebirgsfluss. Der Weg führt durch den Wald auf geschotterten Wegen am Hang entlang. Das ist eine willkommene Abwechslung.

Die Etsch zwischen Laas und Göflan.
Die Etsch zwischen Laas und Göflan.


Eine angenehme Überraschung ist, dass der Abschnitt zwischen Schlanders und Latsch jetzt auch immer schön an der Etsch entlang führt. 2006 mussten wir noch die zum Teil holprige Strecke rauf nach Morter und wieder runter fahren. Auch im Bereich von Kastelbell führt die Strecke jetzt direkt an der Etsch entlang. Das hat aber auch einen Nachteil: Die Strecke führt jetzt nicht mehr am Gasthaus Gstirner-Keller vorbei, wo ich bei früheren Radtouren gerne mit Isi Pause gemacht habe. Das möchte ich meinen Mitradlern nicht vorenthalten, denn wir haben uns noch eine weitere Kaffeepause im urigen Ambiente sicher verdient.

Also machen wir einen kleinen Abstecher von der Strecke (gut 500 Meter) den leichten Hügel zum Gstirner-Keller hinauf. Um 17.45 Uhr kommen wir dort an und genießen einen Latte Macchiato an einem schattigen Tisch, denn die Sonne meint es immer noch gut mit uns. Um 18.10 Uhr kehren wir wieder zurück zur offiziellen Route. Jetzt wird es doch langsam Zeit, einen Zeltplatz zu finden.

Schloss Kastelbell oberhalb des Etsch-Radwegs.
Schloss Kastelbell oberhalb des Etsch-Radwegs.


Die letzten knapp 10 Kilometer bis Naturns sind glücklicherweise angenehm zu fahren, denn es geht meist mehr oder weniger geradeaus gut asphaltiert am Fluss entlang. Jetzt müssen wir noch den Zeltplatz finden (Camping Adler). Der liegt ca. 500 Meter von der Route entfernt etwas versteckt im Ort. Um 18.36 Uhr haben wir unser heutiges Ziel nach immerhin 92 Kilometern erreicht. Auch die anderen Etappendaten können sich sehen lassen:

Fahrzeit: 5:05 h
Schnitt: 18 km/h
Max.: 55 km/h.

Nur die Höhenmeter sind trotz der Passüberquerung vergleichsweise bescheiden: nur 836 m Anstieg.


Übernachtung in Naturns

Nun schlagen wir schnell unsere Zelte auf und machen uns frisch. Die sanitären Einrichtungen sind erste Sahne, so wie es sich für einen „Adler“ gehört. Was uns etwas irritiert sind allerdings die deutschen Schlager, die dort Tag und Nacht zu hören sind.
Anschließend machen wir noch einen kleinen Fußmarsch Richtung Zentrum (ca. 500 Meter) und lassen uns im erstbesten Restaurant nieder. Inzwischen ist es schon fast 21 Uhr und wir sind mörderisch ausgehungert.


Zur vorherigen Etappe | Zum Seitenanfang | Zur nächsten Etappe