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Donnerstag, 13.6.2013
Naturns -- Kalterer See
(ca. 60 km, 240 Höhenmeter Anstieg)


Von Naturns nach Sigmundskron

Heute werden wir von herrlichem Sonnenschein und strahlend blauem Himmel geweckt. Unser Frühstück wird allerdings etwas unbequem. Obwohl es uns ansonsten auf diesem Campingplatz an nichts mangelt: Einen Tisch zum Frühstücken gibt es hier nicht. Also müssen wir unser Frühstück auf dem Boden zubereiten – ganz am Ende des Platzes, wo es etwas Schatten gibt.

Um 10.30 Uhr starten wir. Schnell sind wir wieder auf der „Piste“ und dann geht es wieder schnurgerade an der Etsch entlang bis zum Stauwehr bei Partschins-Töll. Die Strecke ist gut asphaltiert und leicht abschüssig, aber heute geht es trotzdem nicht optimal vorwärts: Wir haben Gegenwind!

Das Stauwehr bei Partschins-Töll.
Das Stauwehr bei Partschins-Töll.


Nach einem kurzen Stopp, um den Wasserfall zu fotografieren, geht es auf einem inzwischen gut ausgebauten Radweg die starke Gefällestrecke rund 140 Höhenmeter runter nach Algund. Hier hat man keine Kosten und Mühen gescheut. Besonders die engen Serpentinen am steilen Hang sind genial! Unten an der Holzbrücke nah beim Forster Schloss sammeln wir uns. Dann geht es für knapp 3 Kilometer mit nur noch leichtem Gefälle wieder direkt auf einem gut ausgebautem Radweg an der Etsch entlang.

Der Radweg zwischen Töll und Algund.
Der Radweg zwischen Töll und Algund.


Eigentlich könnte es bis Bozen so weitergehen. Aber leider endet hier die ausgebaute Strecke. Wir müssen die 
„Mebo“ unterqueren (wie die Einheimischen die Autobahn Meran-Bozen nennen) und befinden uns am Rande des Meraner Stadtgebiets. Da meine Mitradler keine Lust auf eine Besichtigung der Meraner Innenstadt haben – ich selbst kenne die Meraner Altstadt ja ganz gut – folgen wir der Beschilderung des Etsch-Radwegs kreuz und quer durch den Südwesten Merans. Es geht meist durch ruhige Gewerbegebiete und Wohnsiedlungen. Allerdings führt die Strecke auch für ca. einen Kilometer an der stärker befahrenen Gampenstraße entlang (unterhalb der Pferderennbahn). Immerhin hat man hier auf der linken Seite der breiten Straße einfach einen Zweirichtungsradweg von der Fahrbahn abgetrennt – nicht angenehm, aber sicherer. Hinter dem Stadtteil Sinich erreichen wir dann später wieder die Etsch.

Die nächsten rund 20 Kilometer führt der Radweg gleich einer Fahrradautobahn gut asphaltiert durch die Obstplantagen immer entlang der Etsch. Das Gefälle ist jetzt nur noch gering. Hinter Vilpian gibt es sogar eine Steigung, weil wir eine längere Brückenrampe hochfahren müssen. Ansonsten verleitet der gute Ausbau der Strecke zum „Heizen“ – wir nutzen die Gelegenheit, um den „belgischen Kreisel“ zu üben. Auf diese Weise kommen wir trotz des Gegenwinds ganz gut vorwärts. Nachteil: Von den beeindruckenden Bergen um uns herum bekommen wir nicht viel mit. Um 12.30 Uhr machen wir auf halber Strecke zwischen Meran und Sigmundskron (kurz hinter Vilpian) eine kurze Trink- und Esspause im Stehen. Die Radstrecke führt außen an allen Orten hier im Tal vorbei. Wenn man irgendwo einkehren möchte, muss man bewusst einen Abstecher machen.

Der Etsch-Radweg zwischen Gargazon und Terlan.
Der Etsch-Radweg zwischen Gargazon und Terlan.


Dann geht es die restlichen 10 Kilometer zügig weiter bis Sigmundskron. Der kühle Fahrtwind täuscht darüber hinweg, dass inzwischen die Sonne ziemlich heiß vom Himmel brennt. Daher suchen wir in Sigmundskron erst einmal einen schattigen Biergarten auf, um etwas zu trinken. Als wir ankommen ist es ca. 13 Uhr und wir haben immerhin schon gut 40 Kilometer hinter uns.

Von Sigmundskron auf der Bahntrasse nach Kaltern

Um 13.40 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Wir folgen jetzt allerdings nicht mehr dem Etsch-Radweg weiter nach Bozen, sondern wir machen noch einen Abstecher weiter nach Süden mit Ziel Kaltern. Da wir bisher gut voran gekommen sind, können wir hierfür mit gutem Gewissen einen unserer Puffertage verwenden. Um nach Kaltern zu gelangen, wählen wir die interessantere Strecke über das so genannte Überetsch-Gebiet. Für den Rückweg können wir dann immer noch die einfachere, aber auch langweiligere Strecke an der Etsch nehmen.

Da Kaltern ca. 200 Höhenmeter höher liegt, bedeutet dies, dass es ab Sigmundskron zur Abwechselung mal wieder ordentlich aufwärts geht. Allerdings hat man hier wieder – wie an vielen anderen Stellen in Südtirol – ganze Arbeit geleistet und eine alte Eisenbahnstrecke zum Radweg umfunktioniert. Auf diese Weise kommen wir die nächsten gut 10 Kilometer bis Kaltern sehr angenehm ohne Autoverkehr vorwärts.

Auf dem Bahntrassenradweg zwischen Sigmundskron und Eppan (im Hintergrund: Schloss Sigmundskron).
Auf dem Bahntrassenradweg zwischen Sigmundskron und Eppan (im Hintergrund: Schloss Sigmundskron).


Die Strecke ist gut ausgebaut und landschaftlich schön, am Anfang geht es zum Teil aber etwas steiler aufwärts als für eine Eisbahnstrecke erwartet. Hier ist wohl nicht überall die ursprüngliche Bahntrasse erhalten. Für Abwechslung sorgt die Fahrt durch zwei alte Tunnels, die erhalten geblieben sind. Hier ist es wenigstens angenehm kühl.

Am Ende der Eisbahntrasse am Ortseingang von Kaltern steht eine ausrangierte Dampflok. Dort machen wir kurz Halt, um zu beraten wie wir weiter vorgehen sollen. Unser eigentliches Ziel ist ja ein Zeltplatz unten am Kalterer See. Auf meine Empfehlung hin wollen wir allerdings der Altstadt von Kaltern noch einen Besuch abstatten. Leider wird das allerdings noch zu einem schweißtreibenden Unterfangen. Die Altstadt liegt ohnehin etwas höher auf einem Hügel und da keine bessere Strecke für Radfahrer ausgeschildert ist, folgen wir einfach der berechneten Route. Der führt uns allerdings auf der stärker befahrenen Straße den Berg hoch und von oben in die Altstadt. Das bedeutet unsinnige zusätzliche Höhenmeter und Verkehr. Im Nachhinein konnte ich mich erinnern, dass wir 2006 schon weiter unten in eine Einbahnstraße abgezweigt sind und unsere Räder dann einfach durch die Altstadt geschoben haben.

Auf dem Marktplatz von Kaltern.
Auf dem Marktplatz von Kaltern.


Um kurz nach 15 Uhr kommen wir auf dem hübschen kleinen Marktplatz von Kaltern an. Hier herrschen gut 30 Grad im Schatten. Wir essen eine Kleinigkeit bei „Mondschein“ und gönnen uns noch ein Eis im Hörnchen. Eine gute halbe Stunde später machen wir uns dann auf dem Weg zum Zeltplatz. Diesmal schieben wir unsere Fahrräder durch die Altstadt und dann durch eine steile Gasse hinunter zur Hauptstraße.

Diese überqueren wir und folgen dann diversen Feldwegen, um runter zum See zu kommen. Leider ist die Ausschilderung schlecht bis nicht vorhanden, so dass wir uns etwas verfahren und nur mit einem Umweg den Zeltplatz "Gretl am See" erreichen. Dieser liegt zusammen mit diversen anderen Freizeiteinrichtungen am nordwestlichen Ende des Sees. Hier herrscht aufgrund des sommerlichen Wetters reges Treiben.

Durch die Weinberge geht es hinunter zum Kalterer See.
Durch die Weinberge geht es hinunter zum Kalterer See.


Um 16.40 Uhr kommen wir nach rund 60 Kilometern auf dem Zeltplatz an. Mit dem Aufbauen der Zeltplätze warten wir allerdings noch etwas, bis die Sonne tiefer steht, denn es gibt kaum Schatten. Später gehen wir im Seerestaurant essen. Als es dunkel ist, lassen wir den Tag noch am Seeufer ausklingen. Die Nacht ist sternenklar und wir beobachten die blinkenden Lichter auf der anderen Seeseite.

Die heutige Etappe war eigentlich recht überschaubar:

Fahrzeit: 3:20 h
Schnitt: 18,3 km/h
Anstieg: 240 m.

Aufgrund der Hitze war es aber anstrengender als gedacht.

Hier endet der erste Teil unserer Alpenüberquerung. Am Kalterer See haben wir unseren südlichsten Übernachtungspunkt erreicht. Wir haben bisher gut 280 Kilometer zurückgelegt. Von der Strecke her haben wir damit zwar bisher weniger als die Hälfte geschafft. Von den Anstiegen her haben wir mit zwei Pässen und knapp 4000 Höhenmetern aber das Schlimmste hinter uns. Wem das reicht, der kann von hier aus bereits die Rückreise mit der Bahn antreten. Schließlich sind wir nicht mehr weit von der Bahnlinie Verona-München entfernt. Der nächste Haltepunkt einer Regionalbahn befindet sich im wenige Kilometer entfernten Auer. Bozen – etwas weiter weg – ist EC-Bahnhof. Allerdings ist es wohl nicht möglich, für den italienischen Streckenabschnitt Fahrradstellplätze im EC zu reservieren. Wer per Bahn nach Deutschland zurück will, wird sich daher mit Regionalzügen begnügen müssen. Das bedeutet: mehrfach umsteigen. Für uns steht hingegen fest, dass wir noch die Alpen per Fahrrad von Süd nach Nord überqueren werden. Mehr dazu im Teil 2 unseres AlpenCross spezial.

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