Bergisches Bahntrassen-Duett (14.10.2007)

Von Wuppertal Zoo nach Solingen Mitte (ca. 30 km)

Zum Herunterladen (mit "Ziel speichern unter"): GPS-Track (aufgezeichnet mit Garmin GPS Map 60 C).
 

Die Streckenauswahl

In den letzten Monaten bin ich immer wieder über das Thema Radeln auf ehemaligen Bahntrassen gestolpert. Inzwischen gibt es darüber ganze Internet-Informationsangebote (z.B. www.bahntrassenradeln.de) und sogar ein Buch ("Railtrails").

Sicherlich bin ich auch schon während einer Radreise (mehr oder weniger unbewusst) den einen oder anderen Kilometer auf einer ehemaligen Bahntrasse geradelt. In eher flachem Gelände fällt es ja unter Umständen auch kaum auf, dass man sich auf einer Bahntrasse bewegt. Wirklich interessant wird es erst, wenn man sich mit den bei Bahntrassen üblichen geringen Steigungen bzw. Gefällen durch hügeliges Geländer bewegt, wie zum Beispiel dem Bergischen Land. Daher wollte ich einmal ganz bewusst erkunden, welche Radwege es auf ehemalige Bahntrassen im hügeligen Land östlich von Düsseldorf gibt.

Zwei ehemalige Bahntrassen (jeweils ca. 10 km) kamen für das Ansinnen in Frage:

Damit sich der Ausflug lohnt, bieten es sich an, die Bahntrassen miteinander zu verbinden. Schließlich liegen die beiden Strecken nur wenige Kilometer auseinander. Außerdem kommt bei der Verbindung der Strecken der sportliche Aspekt des Radelns wieder mehr zur Geltung. Denn: Zwischen dem Endpunkt der Samba-Trasse in Wuppertal-Cronenberg und dem Startpunkt der Korkenzieher-Trasse in Solingen-Gräfrath liegt das tief eingeschnittene Tal der Wupper. Während die Bahntrassen nur relativ geringe Steigungen aufweisen, bedeutet die Durchquerung des Tals eine rasante Abfahrt und einen schweißtreibenden Aufstieg. Immerhin müssen auf kurze Distanz Höhenunterschiede von jeweils ca. 150 - 200 Höhenmeter überwunden werden.

Hinweise zum Bahntrassenradeln:


Die Samba-Trasse: Von Wuppertal-Zoo bis Wuppertal-Cronenberg (ca. 10 km)

Die Samba-Trasse wurde 1981 eröffnet. Der Name stammt wohl aus den 50er Jahren. Besonders die damals eingesetzten Schienenbusse schwankten auf der kurvenreichen Strecke zwischen Elberfeld und Cronenberg aufgrund ihres langen Achsstands im Sambatakt. 1988 wurde die Strecke stillgelegt.

Startpunkt unserer heutigen Radtour ist die S-Bahnstation Wupperal-Zoo. Bis zum Einstieg in die Samba-Trasse sind es nur ca. 600 m. Die haben es aber schon in sich. Beim Verlassen der S-Bahnstation folgt man (gleich gegenüber) der Walkenürenallee bis zum Zoo-Eingang. Danach geht es nach links den Selmaweg steil hoch (ca. gut 50 Höhenmeter). Oben kreuzt dann die Bahntrasse, der man nach rechts folgt. Hier ist dann das schlimmste geschafft: Die nächsten 100 Höhenmeter verteilen sich dann recht angenehm über die ca. 10 Kilometer bis Cronenberg.


Einstieg in die Bahntrasse am Selmaweg. Hübsch gemacht: die grauen Pflasterstreifen an den Überwegen symbolisieren die Schienenstränge.
 


Die Samba-Trasse: Blick vom Selmaweg aufwärts
 

Die Samba-Trasse bietet gleich zum Beginn eine Attraktion: Mit Hilfe einer Brücke wird das Gelände des Wuppertaler Zoos überquert. Zu sehen gibt es an diesem sonnigen Oktober-Sonntag hauptsächlich Zweibeiner (sowohl auf dem Zoogelände als auch unkontrolliert freilaufend auf der Brücke. Hier ist es besser das Fahrrad zu schieben.).
 


Blick auf das Zoogelände von der Brücke der Samba-Trasse aus.
 

Die Bahntrasse verläuft zunächst in Windungen durch den Wald, teils ist die Trasse tief ins Gelände eingeschnitten. Dann geht es vorbei am Bahnhof Küllenhahn,der leider einen eher traurigen Eindruck hinterlässt.


Die Samba-Trasse vor Küllenhahn
 


Der ehemalige Bahnhof Küllenhahn
 


Schautafel am Bahnhof Küllenhahn: Der Streckenverlauf
 

Die weitere Strecke verläuft dann zunächst am Ortsrand bzw. dann zwischen den Häusern entlang, bis ins Zentrum von Cronenberg hinein. Endpunkt ist der ehemalige Bahnhof Cronenberg. (Das Gebäude befindet sich eingezäunt auf einem privaten Gelände.)
 


Der gut erhaltene Bahnhof Cronenberg
 

Von Cronenberg nach Gräfrath (knapp 10 Kilometer)

Über Lindenalle und Kemmanstrasse geht es ins alte Zentrum von Cronenberg. Bevor wir Cronenberg über die Solingerstraße (L427) verlassen, werfen wir noch einen Blick auf Häuser an der Hautstraße.


Hübsche Häuser in Cronenberg
 


Imposante Kirche in Cronenberg
 

Die Fahrt auf der Solinger Straße ist nur etwas für sichere Radfahrer, da es keinen Radweg gibt und mit schnellem Autoverkehr gerechnet werden muss. Als Radfahrer ist ist man allerdings auch nicht gerade langsam. Auf der langen Gefällestrecke erreicht man schnell Geschwindigkeiten von 50 km/h und mehr. Da sind gute Bremsen unabdingbar, denn unten gibt es enge Kurven.

Unten geht es dann etwas umständlich rauf auf die Brücke der L74 und über die Wupper (Radweg), um dann wieder runter zur Wupper zu fahren, vorbei am Cafe Hubraum. (Kennt jemand evtl. einen etwas eleganteren Weg?) Aus dem Tal heraus geht es sehr steil über den Weg Untenketzberg und Obenketzberg und weiter über die Lützowstraße in den alten Kern von Gräfrath. Dort machen wir eine kurze Rast für einen Kaffee, den wir uns jetzt auch ordentlich verdient haben.


Geschafft: Blick von Ketzberg aus über das (kaum sichtbare Tal der Wupper) nach Cronenberg
 


Entspannte Stimmung auf dem Marktplatz in Gräfrath am späten Herbstnachmittag.
 

Um zur Korkenzieher-Bahntrasse zu gelangen, verlässt man den Marktplatz über die Straße "In der Freiheit" und überquert am Ende die Wuppertaler Straße. An einem Parkplatz (etwas versteckt hinter den Häusern) trifft man dann auf die Bahntrasse.
 

Die Korkenzieher-Trasse: Von Solingen-Gräfrath nach Solingen Mitte (ca. 10 Kilometer)

Die Strecke zwischen Gräfrath und Solingens Mitte schlängelt sich spiralförmig durch das Stadtgebiet Solingens. Dies brachte ihr den Namen Korkenzieher-Trasse ein. Die Strecke wurde 1887 eröffnet. 1995 wurde das letzte Teilstück der Trasse stillgelegt.

Schon auf den ersten Metern macht sich der besondere Belag der Korkenzieher-Trasse angenehm bemerkbar. Während die Samba-Trasse die meiste Zeit einfach wassergebunden und fein gekiest ist, handelt es sich bei der Oberfläche der Korkenzieher-Trasse um einen so genannten Terraway. Dieses Material ist so glatt wie Asphalt und daher auch für Skater geeignet, dabei angeblich aber auch wasserdurchlässig.


Auf der Korkenzieher-Trasse in Gräfrath
 

Nach wenigen Metern Fahrt stößt man auf der linken Seite auf das alte Bahnhofsgebäude. Leider ist dies von einem Bauzaun umgeben und macht einen eher traurigen Eindruck. Inzwischen scheint die Wildnis davon Besitz ergriffen zu haben.
 


Der ehemalige Bahnhof Gräfrath
 

Hinter dem Bahnhof müssen wir erneut die Wuppertaler Straße an einer Ampel überqueren. Insgeheim befürchte ich, dass noch viele solcher Straßenquerungen folgen werden, da die Korkenzieher-Trasse mehr oder weniger durch Stadtgebiet führt. Die Sorge ist jedoch unbegründet, da Brücken und Tunnel der alten Bahntrasse weitgehend erhalten geblieben sind. Bis Solingen Mitte kommt man daher ab hier wie auf wundersame Weise fast überhaupt nicht mehr mit Autoverkehr in Berührung.

Nach der Überquerung der Wuppertaler Straße geht es über einen Parkplatz vorbei am Museum Baden. Dort treffen wir auf eine Schautafel zur Korkenzieher-Trasse, die den Streckenverlauf zeigt.
 


Verlauf der Korkenzieher-Trasse
 

Die Strecke von Gräfrath nach Solingen Mitte besitzt ein leichtes Gefälle. Zusammen mit der guten Oberfläche und der kreuzungsfreien Wegführung kommt man wunderbar vorwärts. Erwähnenswert ist auch der so genannte Schlagbaumtunnel, mit dessen Hilfe im gleichnamigen Stadtteil eine große Straßenkreuzung unterführt wird. Der längere Tunnel sieht zwar von außen nicht besonders aus. Innen hinterläßt der Tunnel aufgrund der Natursteinauskleidung einen urigen Eindruck.

Die Korkenziehertrasse endet am neuen Bahnhof Solingen Mitte, der sich unweit des Geländes des früheren Solinger Hauptbahnhofs befindet. Inzwischen verkehrt hier jedoch nur noch eine Regionalbahn und der verkehrstechnisch wichtigere Bahnhof Solingen Ohligs im Westen der Stadt ist jetzt der Hauptbahnhof.


Am neuen Bahnhof Solingen Mitte verläuft der Radweg der Korkenzieher-Trasse hinter einem hohen Zaun.
 

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Lob und Tadel an den Verfasser