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Abstecher Dolomitenradweg, ca. 76 km (Montag, 4.8.2008)

Ausblick

Heute unternehmen wir unseren Dolomiten-Abstecher. Diese Radtour nach Süden auf einer ehemaligen Bahntrasse durch die Dolomiten mit Ziel Calalzo di Cadore ist ja der eigentliche Aufhänger für unsere diesjährige Drau-Radtour und sowohl in landschaftlicher -- aber auch sportlicher -- Hinsicht das Glanzlicht der gesamten Radtour. Schließlich handelt es sich mit mehr als 75 km um die längste Etappe. Dabei geht es von Toblach aus (ca. 1.200 Meter N.N.) mindestens die 15 km zum Cimabanche-Pass fast immer nur aufwärts auf geschotterten Wegen bis auf eine Höhe von über 1.500 Metern. Danach soll es dann auf ca. 55 km bis Calalzo auf 750 Meter runter gehen.

Weitere Infos zur Vorgeschichte und Planung des Dolomiten-Abstechers gibt es hier bei der Drau-Radtour.


Streckenübersicht Dolomitenradweg
 

Zum Herunterladen (mit "Ziel speichern unter"): GPS-Track (Format: GPX)
 

In den letzten Tagen sind wir schon etwas nervös: Wird das Wetter ausreichend gut für die lange Tour sein? Regen oder sogar Gewitter könnten unsere Planung durchkreuzen. Schön wäre es natürlich auch, wenn wir tollen blauen Himmel hätten, um einige "Postkarten-Fotos" von den Dolomitengipfeln machen zu können. Und schließlich: Werden wir es rechtzeitig bis Calalzo schaffen, wo um 17 Uhr der Klein-Bus für den Rücktransport auf uns wartet?
 

Etwas Bahn-Geschichte

Dass die ehemalige Bahntrasse in weiten Teilen noch erhalten ist, ist einem glücklichen Umstand zu verdanken: Bei ihrem Bau im ersten Weltkrieg hat man sich die Mühe gemacht, eine von der Straße unabhängige Strecke zu bauen. Bahntrasse und Straße verlaufen im Prinzip zwar parallel, aber doch fast immer mit einem gewissen Abstand oder Höhenunterschied. Als der Bahnverkehr in den 60ern eingestellt wurde, konnte die Bahntrasse nicht einfach zur Verbreiterung der Straße verwendet werden.


Frisch asphaltierter Radweg auf dem Bahndamm vor Chiapuzza
 

Erst die Pflicht: Von Niederdorf nach Toblach

Nach einer ausreichenden Stärkung zum Frühstück (leckere Brötchen, ansonsten aber auch viele verpackte Sachen) starten wir unseren Abstecher um ca. 9.15 Uhr. Wir haben ja heute viel vor und zuerst müssen wir ja noch nach Toblach (ca. 6 Kilometer).

Aus Niederdorf heraus geht es kurze Zeit hübsch an der Rienz entlang. Während die ersten Sonnenstrahlen des Tages schon recht warm sind, spürt man entlang des Flusses regelrecht, wie das eiskalte Wasser die Luft abkühlt.


Die Rienz in Niederdorf
 

Kein Wunder, dass das Rienz-Wasser kalt ist, kommt es doch von dort herunter, wo wir heute noch rauf wollen. Zufälligerweise werden wir heute nämlich -- wie schon an den beiden vorherigen Tagen -- der Rienz folgen, zumindest durch das Höhlensteintal hinauf. Irgendwo dort oben befindet sich ihre Quelle. (Vielleicht bei den berüchtigten Drei Zinnen?). Im Gegensatz zu gestern und vorgestern werden wir dabei allerdings kaum etwas von der Rienz zu sehen bekommen -- hauptsächlich in Form des Toblacher Sees und des Dürrensees, durch die die Rienz hindurchfließt.

Auch bei unserer Fahrt nach Toblach verlieren wir die Rienz schnell aus den Augen, denn der Weg führt vom Fluß weg über einen Hügel mit einer zunächst kurzen, aber stärkeren Steigung. Danach geht es bis Toblach nur leicht ansteigend hinauf. Oben angekommen geht es gleich wieder abwärts nach Neutoblach hinunter. Bei der Abfahrt können wir schon genau sehen, wo wir nachher durch müssen: wir schauen quasi genau nach Süden ins Höhlensteintal hinein.


Erster Blick in das Höhlensteintal
 

Nach der Unterquerung der Bahnlinie stoßen wir dann nochmal auf die Rienz. Außerdem finden wir hier bereits einen Hinweis auf den Dolomitenradweg in Form einer Info-Tafel:
 


Info-Tafel Dolomitenradweg
 

Wir müssen weiter Richtung Bahnhof. Danach zweigt eine Straße Richtung Höhlensteintal ab. Zunächst geht es noch eben und gut asphaltiert durch ein Wohn- bzw. Freizeitgebiet.
 

Durch das Höhlensteintal zum Dürrensee

Am Waldrand stoßen wir dann auf einen eher steilen und geschotterten Weg, dessen Belag anscheinend aufgrund von Regenfällen schon gelitten hat. Dies soll wohl der Einstieg in die Bahntrasse sein?

Da es keinen anderen Weg gibt, gehen wir es an. Während ich mit meiner Kettenschaltung noch rel. entspannt hochkomme, ist Isi schon nach kurzer Strecke hinter mir am Schnaufen. Man könnte meinen, ich hätte eine alte Dampflok hinter mir ...

Sollte es jetzt die nächsten 15 Kilometer immer so weiter gehen? Das haben wir uns aber einfacher vorgestellt! (Insgeheim fürchte ich schon, dass Isi mich dafür vierteilen wird.) Glücklicherweise sind nur die ersten ca. 1-2 Kilometer der Bahntrasse steiler als erwartet. So eine steile Strecke hätte damals ja sicher auch keine Dampflok lange durchgehalten. Dann wird es glücklicherweise zwischendurch immer mal wieder flacher. Und auch der Fahrbahnbelag wird besser.

So erreichen wir schon bald den Toblacher See, dessen Wasser schön grün funkelt. Leider ist es für eine Rast noch viel zu früh.


Blick über den Toblacher See nach Süden in das Höhlensteintal
 

Die nächsten Kilometer kommen wir ganz gut vorwärts. Die Steigung ist spürbar, aber auch mit Nabenschaltung ohne Absteigen im ersten oder zweiten Gang zu schaffen. Zum Absteigen zwingt uns dann allerdings alle beide ein unerwartetes Hindernis: Der an sich gute Radweg ist auf mehrere Meter Breite durch einen querenden Gebirgsbach weggespült. Mittels einer dünnen Planke kommen wir trockenen Fußes über dieses kleine Hindernis hinüber. Für Mountain-Biker scheint das sowieso kein großes Hindernis zu sein: Die fahren einfach durchs Wasser.


Weggespülter Weg mit Planke
 

Weiter oben werden wir auf noch größere Hindernisse dieser Art stoßen. Aber das können wir jetzt noch nicht ahnen. Zunächst geht es weiter auf dem breiten und gut geschotterten Weg. Da wir hier so gut wie alleine unterwegs sind, können wir auch mal einen Blick auf die hohen Berge rechts und links vom Weg werfen. Leider ist die Luft eher dunstig und die Gipfel werden von Wolken verhüllt -- also nicht das erhoffte Foto-Wetter. Live bilden die Berge aber eine beeindruckende Kulisse.

Leider bleibt der Weg bis zum Dürrensee nicht so schön. Eigentlich sollte laut Dolomiten-Radwanderführer der Weg hinter Nasswand für einige Kilometer auf der anderen Seite der Staatsstraße verlaufen. Stattdessen bleiben wir jedoch weiter auf der rechten Seite. Ein Blick auf die Bikeline-Karte bestätigt die geänderte Streckenführung. Erst vor dem Dürrensee erfolgt der Seitenwechsel.

Ob man damit den Radfahrern die zweifache Überquerung der stark befahrenen und unübersichtlichen Staatsstraße ersparen wollte? Na vielen Dank: Der Weg führt dadurch anscheinend nicht mehr über die Original-Bahntrasse, sondern auf einem eher improvisierten Weg, teilweise auf grobem Schotter, teilweise über matschige Wiesen. Immer wieder gibt es auf diesem Abschnitt kurze, aber steile Anstiege und Gefälle. Dies ist eher etwas für Mountain-Biker mit breiten Reifen.


Nach einem Gefälle-Stück durch den Wald
 

Nur grob geschottert ist der Weg auch an einer Stelle, wo der Weg von einem weiteren Bach gequert wird. Bei schönem Wetter wie heute fließt das Wasser wohl irgendwie unter dem Weg durch. Bei heftigen Regenfällen dürfte es aber ungemütlich werden. Davon zeugt das breite, steinige Bachbett rechts und links des Wegs.


Schotterweg über einen Bach
 

Vor dem Dürrensee wechselt der Weg dann aber doch auf die andere Straßenseite. Hier geht es dann erst einmal flach weiter. Dafür erheben sich vor uns imposant die Dolomiten-Gipfel.


Beindruckende Gipfel vor uns
 

Etwas später machen wir an einem eingezäunten Aussichtspunkt kurz halt. Freundlicherweise zeigt uns eine Art Drei-Zinnen-Modell, wie denn das Objekt der Begierde aussieht. In dem Gewirr von Bergen und Gipfeln sind die Drei Zinnen nämlich gar nicht so leicht auszumachen.
 

Durch geröllige Gebirgsbäche vom Dürrensee zum Cimabanche-Pass

Wenig später kommen wir zum Dürrensee, in dessen milchig-grünem Wasser sich die Berggipfel romantisch spiegeln. Aber so romantisch soll es nicht bleiben.


Dürrensee
 

Laut Karte bin ich davon ausgegangen, dass man am Dürrensee vorbei auf der Staatsstraße fahren muss. Das ist aber gar nicht notwendig. Der Randstreifen zwischen Straße und See ist breit genug, dass Autos dort parken können und auch für Radler ist genug Platz, wenn man umsichtig fährt.

Etwas irritiert stelle ich aber fest, dass einige Radler gegen Ende des Dürrensees auf die Straße wechseln, während andere auf dem Weg etwas neben der Straße bleiben. Das Rätsel ist schnell gelöst: Der grob geschotterte Weg stellt sich schnell als gerölliges, (fast) ausgetrocknetes Bachbett heraus.


Schlechter Weg oder befahrbares Bachbett?
 

An Fahren ist hier mit unseren Rädern kaum zu denken. Selbst Mountain-Biker tun sich hier schwer. Das Ganze ergibt ein lustiges Bild: Diverse Radler sind damit beschäftigt, ihr Gefährt schiebender Weise kreuz und quer über schottrige Buckel zu bewegen, dabei immer bedacht, nicht in eines der Rinnsale entlang des Wegs zu treten. Es kommt aber noch lustiger.

Nach einer kurzen Schiebestrecke scheint sich der Weg zu bessern. Ein Radschild zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg nach Cortina sind.


"Radweg" nach Cortina
 

Das dicke Ende kommt aber jetzt: Wir wundern uns schon, warum die Radler vor uns nicht weiterkommen. Das liegt daran, dass ein Bach den Weg quert. Dieser ist immerhin so breit und tief, dass fahren, springen oder einfach hindurchwaten nicht in Frage kommen. Die einzige Möglichkeit, trockenen Fußes auf die andere Seite zu kommen, besteht darin, dass Fahrrad über zwei dünne Pfähle zu tragen, die wohl ein pfiffiger Pfadfinder dort hingelegt hat.


Improvisierte Brücke
 

Die Überquerung erweist sich als knifflige, aber lösbare Aufgabe und trägt zumindest bei den Zuschauern zur Erheiterung bei: Die beiden Pfähle sind doch etwas wacklig.


Drahtseilakt im Hochgebirge
 

Die größte Herausforderung besteht aber darin, auch das Fahrrad trocken auf die andere Seite zu bekommen. Glücklicherweise geht alles gut und der Weg wird auch bald wieder besser.


Auch das Fahrrad will rüber ...
 

Bis zum Cimabanche-Pass ist der Weg halbwegs breit und mal mehr, mal weniger gut geschottert. Es geht immer weiter leicht aufwärts. Nur an einer Stelle, wo anscheinend eine Brücke der ehemaligen Bahntrasse nicht erhalten ist, müssen wir ein kurzes Stück runter und wieder rauf. Gottseidank ist es unten trocken und wir müssen nicht wieder einen Bach überqueren.


Fehlende Brücke an einem Schotterbach
 

Der Weg führt teils durch dichteren Wald. Über den Baumwipfeln kommen immer wieder beeindruckende Dolomiten-Gipfel zum Vorschein.


Dolomiten-Gipfel säumen den Radweg
 

Die letzten Kilometer bis zum Pass ziehen sich dann doch. Das ständige Aufwärtsfahren sowie die Unterbrechungen durch die Schiebestrecken haben an unseren Kräften gezehrt. Um so glücklicher sind wir dann als das alte Bahnhäuschen am Cimabanche-Pass in Sicht kommt. Um ca. 12.20 Uhr haben wir den Cimabanche-Pass erreicht. Übrigens haben wir gerade Südtirol verlassen und ab jetzt befinden wir uns im Veneto.


Bahnhäuschen am Cimabanche-Pass
 

Hier oben ist richtig was los, denn es gibt hier eine Art Gasthaus und alle Radler -- egal von welcher Seite des Berges -- scheinen hier Rast zu machen. Auch wir gönnen unseren Beinen ein wenig Ruhe und trinken etwas auf der Terrasse.


Raststation am Cimabanche-Pass
 

Wir sind überglücklich, dass wir den Aufstieg geschafft haben. Allerdings ist es später geworden als gedacht. Laut Rail-Trails braucht man für die Abfahrt bis Calalzo 5 Stunden. Wenn wir noch um 17 Uhr in Calalzo ankommen wollen, haben wir keine Zeit mehr für lange Pausen.

Während unserer Rast beobachten wir, dass die Radler, die nach Cortina runterfahren, sich Jacken anziehen. Tatsächlich weht hier oben ein merklicher Wind.
 

Über schaurige Schluchten und durch dunkle Tunnel nach Cortina

Unsere Weiterfahrt geht zunächst meist gerade auf Schotterwegen abwärts, aber nicht zu steil. Erstaunlicherweise sind die Jacken der anderen Radler berechtigt. Während wir die ganze Zeit beim Aufstieg trotz des Schattens der Bäume mehr oder weniger geschwitzt haben, wird es mir jetzt bei der Abfahrt tatsächlich kalt.

Dies liegt weniger am Fahrtwind. Hauptgrund ist der kalte Wind, der jetzt anscheinend (ausgerechnet!) von Süden heraufgeweht kommt. Am alten Bahnhof Ospitale mache ich Halt und ziehe mir auch erst einmal meine Jacke an.


Das verfallene Bahnhofsgebäude von Ospitale
 

Während der Weg bisher mehr oder weniger lieblich abwärts ging, kommt jetzt der atemberaubendste Teil der ganzen Tour: Mehr oder weniger unbemerkt fahren wir ab etwa Ospitale parallel zur Schlucht des Felizon-Bachs. Etwas später fällt mir auf, dass der Weg auf der linken Seite mit einer Art Bauzaun gesichert ist. Der Weg macht dann einen Rechtsschwenk auf einen Tunnel zu und ich nehme mir die Zeit, einen Blick durch die Maschen des Zauns zu werfen: Unter uns geht es zwischen Bäumen und bizarren Felsen tief hinunter in die Schlucht.

Atemberaubend: In einiger Entfernung sehe ich in etwa der gleichen Höhe wie ich stehe eine filigrane Konstruktion, die sich kühn von der einen Seite der Schlucht auf die andere spannt. Dieses Bild kommt mir irgendwie bekannt vor. Ein sehr schönes Foto von dieser Brücke findet man auch in Rail-Trails (wenn auch seitenverkehrt). Ein leichter Schauer läuft mir über den Rücken: Über diese 36 Meter lange Brückenkonstruktion vom Anfang des letzten Jahrhunderts werden wir auch gleich fahren!


Brücke über die Felizon-Schlucht
 

Um auf die Brücke zu gelangen, muss der Weg eine enge Kurve von mehr als 90 Grad machen. Zunächst geht es durch einen längeren Tunnel. Dort kommt es mir eiskalt und stockfinster vor (liegt wohl auch an meiner Sonnenbrille). Schemenhaft schweben mir andere Radler entgegen. Im Schritt-Tempo taste ich mich durch den Tunnel.

Die Fahrt über die Felizon-Brücke ist weniger spektakulär als die Ansicht von weitem. Solide Pionier-Arbeit. Eine Schautafel vor der Brücke klärt über die Vorgehensweise bei der Errichtung der Brücke auf. Die Tunnel sind dagegen spannender.


Ausfahrt aus einem der Pezovico-Tunnels
 


Blick in einen der Tunnel
 

Wenig später ist das Schauspiel der engen Schluchten und Tunnels leider schon wieder zuende. Stattdessen öffnet sich auf der rechten Seite der ebenfalls tiefe, aber nun weite Blick in das Tal des Boite-Flusses. Dieser Blick ist ungewöhnlich, denn bisher hat meist dichte Bewaldung die Sicht behindert. Der steile Hang rechts unter uns ist aber praktisch kahl -- ein einziges Meer von Gesteinsbrocken und Schotter von den Bergen links über uns ...

Auf unserer Fahrt auf der Dolomitenbahntrasse werden wir bis fast zum Ziel dem Boite-Tal folgen. Die Landschaft wird sich dabei allerdings immer mehr verändern.


Karge Schotterlandschaft oberhalb des Boite-Tals
 

Der weitere Weg nach Cortina führt zunächst auf Schotteroberflächen mehr oder weniger gerade abwärts. Nach Cortina rein geht es dann auf gut asphaltierten Wegen weiter abwärts -- immer schön im grünen am Hang entlang hinter den Häusern.


Gut ausgebauter Dolomitenrad-Radweg kurz vor dem Bahnhof in Cortina
 

Auf diese Weise gelangen wir bequem und ohne Autoverkehr zum alten Bahnhof von Cortina. Wir hatten gehofft, hier ein Cafe oder etwas ähnliches für eine kurze Rast zu finden. Tatsächlich gibt es zur Straßenseite ein Cafe, das auf uns jedoch ein nicht besonders einladenden Eindruck macht.


Der alte Bahnhof von Cortina
 

Ansonsten befindet sich hinter und neben dem Bahnhof ein großer Parkplatz, den wir durchfahren. Am anderen Ende geht der Dolomitenradweg über eine Brücke weiter.


Brücke hinter Bahnhof in Cortina
 

Cortina ist eigentlich recht malerisch von hohen Bergen eingerahmt. Leider haben sich inzwischen über den Gipfeln dicke Wolken breitgemacht, die eindrucksvolle Fotos verhindern.


Blick auf Cortina mit Kirche
 

Der Weg aus Cortina raus ist so ähnlich wie der Weg nach Cortina rein: Es geht meist schön am Hang entlang zwischen Häusern und Wiesen. Allerdings quert häufiger mal eine kleine Straße.

An sich ist die Strecke leicht zu finden: Man folgt einfach nur dem Weg. Verwirren lassen darf man sich allerdings nicht von den "Itinerario"-Schildern, deren Pfeile an den Kreuzungen nach rechts zeigen, wenn man eigentlich weiter geradeaus soll.

Der Rail-Trails-Text geht auf diesen Umstand an einer Stelle besonders ein. Das ist nun seinerseits verwirrend. Am besten man fährt einfach der Nase nach bzw. man folgt den Pfeilen auf den braunen Schildern, die an verschiedenen Stellen zusätzlich angebracht wurden und in die richtige Richtung zeigen.
 

Rätselraten vor Acquabona

Am meisten über den Weg gerätselt haben wir vor Acquabona. Im Süden von Cortina verläuft der Radweg direkt neben der Staatsstraße. Dann, vor Acquabona, will die Beschilderung, dass wir rechts den steilen Berg hinunter fahren. Wir halten an und rätseln: Laut Rail-Trails endet der Radweg hier und wir sollen auf der Staatsstraße weiterfahren. Angesichts des starken Verkehrs nicht gerade verlockend.

Aber wo soll der Weg hinführen? In der Karte des Dolomiten-Radwanderführers ist hier noch nicht einmal eine Straße eingezeichnet -- nur ein Weg, der unten im Tal im Nichts endet. In der Hoffnung, dass man sich für die Radfahrer etwas sinnvolles überlegt hat, fahren wir den steilen Berg hinunter. Unten angekommen rätseln wir, wie es weiter geht. Dann sehen wir wieder ein Radweg-Schild und können es kaum glauben: Fast im 180-Grad-Winkel geht ein Holper-Weg steil aufwärts in den Wald hinein. Mit schwant: Man hat uns den Berg hinunter geschickt, weil man die Radler von der Straße haben will. Auf einer Holperstrecke dürfen wir die Staatsstraße umgehen und anschließend wieder hoch.

So kommt es auch. Nach einem kurzen Stück auf dem holprigen Waldweg geht es auf einem Trampelpfad durch eine Wiese hinter den Häusern. Dann kommt ein Stück Schotterweg weiter abwärts und schließlich kommt ein steiles Schotterstück wieder rauf zur Staatsstraße. Wir fühlen uns veräppelt!


Offizieller Radweg: Trampelpfad bei Acquabona
 

Durch die Umfahrung haben wir unnötig viel Zeit verloren. Wer halbwegs gute Nerven hat, sollte einfach auf der Staatsstraße weiterfahren.
 

Auf schlechteren und besseren Wegen nach Chiapuzza

Wieder an der Staatsstraße angekommen, geht es hier ein kurzes Stück auf dem Radweg entlang der Straße weiter. Dann geht es wieder auf schlechten Schotterwegen in den Wald. Laut Rail-Trails soll das bis Chiapuzza noch so weitergehen.

Zwischendurch müssen wir unsere Fahrräder über ein Stahlseil heben, dass Waldarbeiter über den Weg gespannt haben. Wir sind leicht angenervt. Im Grunde hätten wir aber darauf vorbereitet sein können: In Rail-Trails wird davor gewarnt, dass der Radweg sich auf diesem Abschnitt im Bau befindet.

Dann -- lange vor Chiapuzza -- ist der Weg durch den Wald auf einmal asphaltiert! Der breite Weg windet sich im leichten Auf und Ab durch den Wald. Auf der glatten, neuen Asphaltoberfläche rollt es super!


Auf tollen Wegen durch den Wald (zwischen Acquabona und Chiapuzza)
 

Viel zu bald nähern wir uns wieder der Staatsstraße. Der Weg bleibt aber gut asphaltiert. Teilweise fahren wir auf einem Bahndamm oberhalb der Staatsstraße. Hier haben wir auch endlich mal wieder eine längere Gefällestrecke, so dass wir prima vorwärts kommen. Der Weg führt uns direkt am alten -- aber gut erhaltenen -- Bahnhofsgebäude von Chiapuzza mit seinen lustigen Türmchen vorbei.


Bahnhof Chiapuzza
 

Umleitung in Vallesella

Wie in Rail-Trails versprochen bleibt der Weg asphaltiert, wenn auch die Oberfläche nicht ganz so neu ist wie auf den letzten Kilometern.

Der Weg führt etwas oberhalb der Staatsstraße und sozusagen hinter den Häusern entlang. Vom Verkehr kriegt man kaum was mit. So kommen wir zügig weiter bis Vallesella, wo ein Umleitungsschild unsere Fahrt abrupt stoppt. Wenige Meter weiter klafft statt des Radwegs nur ein großes Loch, an dem gebaggert wird. Hier kommen wir auch nicht schiebenderweise vorbei.

Was hilft's. Das Umleitungsschild zeigt runter zur Staatsstraße. Dieser folgen wir ein Stück durch den Ort. Glücklicherweise gibt es dann wieder ein Radwegschild, das uns den Weg zurück zur höhergelegenen Bahntrasse weist.
 

Im Geschwindigkeitsrausch

So gelangen wir nach San Vito. In welchem Ort man sich gerade befindet, bekommt man eigentlich nur dadurch mit, dass man an einem entsprechenden Bahnhofsgebäude vorbeifährt. Auch der Bahnhof von San Vito ist recht gut erhalten. Von der Architektur her ähnelt er dem von Chiapuzza.


Bahnhof San Vito
 

Mittlerweile ist es 15.30 Uhr. Die letzten Kilometer sind wir zwar wieder ganz gut vorwärts gekommen, aber wenn wir um 17 Uhr in Calalzo sein wollen, müssen wir uns sputen. Schließlich haben wir bestimmt noch 20-30 Kilometer vor uns!

Aber es geht jetzt super weiter vorwärts. Die Strecke führt mit leichten Windungen weiter am Hang, meist mit deutlich spürbarem Gefälle. So fliegen wir regelrecht an Borca und Vodo vorbei und gelangen nach Peaio. Auf die Karte schaue ich nur noch, um zu sehen, welcher Ort als nächstes kommt. So macht die Abfahrt riesig Spaß.

Am Ende von Peaio müssen wir ca. 1,5 Kilometer auf der Staatsstraße fahren. Irgendwie verliert sich in Peaio die Beschilderung, so dass wir für den Hinweis in Rail-Trails, dass die Strecke auf der Staatsstraße weitergeht, sehr dankbar sind.

Die Strecke auf der Staatsstraße ist in diesem Fall rel. entspannt, da es hier weiter abwärts geht und auch ein schmaler Seitenstreifen vorhanden ist, so dass -- die nicht zu zahlreichen -- motorisierten Fahrzeuge ganz gut überholen können. Unten macht die Straße eine 180-Grad-Schleife, so dass der Verkehr hier auch nicht zu schnell ist.
 

Per Tunnel- und Brücken durch die bezaubernde Cadore-Landschaft

Ab hier geht es dann die letzten Kilometer wieder auf der Bahntrasse weiter. Die Strecke wird jetzt besonders interessant, da die diversen Tunnel (gut beleuchtet) und Brücken noch erhalten sind.

Sehr hübsch ist die enge Schleife bei Vallesina, wo der gleichnamige Fluss eine tiefe Einkerbung in das Tal geschaffen hat, der die Trasse mit Tunneln und Brücken entsprechend folgen muss.


Tunnelausfahrt und Brücke bei Vallesina
 

Außerdem gibt es auf diesem Abschnitt tolle Einblicke in das immer tiefer werdende Tal unter uns. Markante Blickpunkte bieten dabei verschiedene einzelne Berge, die willkürlich in der Landschaft verteilt zu sein scheinen. Wie schade, dass die Sicht durch eine Wolkendecke getrübt wird.


Blick von der Bahntrasse bei Valle di Cadore
 

Es geht immer weiter angenehm abwärts und die Kilometer purzeln nur so. Nur selten wird unsere Fahrt durch eine querende Straße unterbrochen. (In Valle müssen wir die Staatsstraße überqueren.) Eigentlich reihen sich die Orte wie an einer Perlenkette. Wir kommen durch Valle, Tai und Pieve di Cadore und merken aber fast nichts davon.
 
Cadore nennt sich übringens die Landschaft am östlichen Rand der Dolomiten. Die Orte führen daher meist den Zusatz "di Cadore" im Namen.

Wir sind jetzt schon seit Stunden fast ununterbrochen im Sattel und eigentlich wäre es jetzt langsam an der Zeit, mal eine kurze Rast für einen Capuccino oder ähnliches, um ein wenig italienisches Flair zu schnuppern. Aber am Wegesrand gibt es so gut wie nichts, was uns zu einer Pause verlocken würde, weil wir ja auf der Bahntrasse an den eigentlich Ortskernen vorbeibrettern. Dieser Umstand ist beim Bahntrassenradlen Vor- und Nachteil zugleich: Man kommt schnell vorwärts, aber das Sightseeing kommt zu kurz, wenn man nicht ganz bewußt mal von der Trasse in einen Ort hinein abfährt.

Im Augenblick sind wir aber ohnehin so im (Abfahrts-)Rausch der Sinne, dass uns weder Hunger noch Durst kümmern. Wir sind aber auch ganz froh, dass wir so gut vorwärts kommen, denn wenn wir dranbleiben, können wir es noch bis 17 Uhr bis Calalzo schaffen. Außerdem scheinen die Wolken immer tiefer zu hängen und wir wollen nicht womöglich noch kurz vor dem Ziel in den Regen kommen.
 

Calalzo in Sicht!

Hinter Pieve sehe ich dann tief unter uns das grüne Wasser des Lago di Centro Cadore durch die Bäume am Wegesrand blitzen. Jetzt müssen wir bald in Calalzo sein! So ist es dann auch und am Ortseingang können wir auch endlich mal einen längeren Blick auf den See unter uns erhaschen. Allerdings liegt der an sich kilometerlange See weiterhin tief unter uns, so dass er verblüffend klein wirkt. Im milchigen Licht hat sich leider die Farbe des Wassers von grün in ein blasses Blau-Grau gewandelt.


Blick über Calalzo auf den Lago di Centro Cadore
 

Am Ortseingang von Calalzo sehen wir direkt am Wegesrand eine Möglichkeit, um etwas zu trinken (Rent-a-Bike-Station). Aber jetzt ist es uns auch egal. Der weiterhin sehr gut ausgebaute Weg führt uns abwärts in den Ort hinein.


Gut ausgebauter Radweg nach Calalzo hinein
 

Im Ort endet der Radweg und wir folgen der Beschilderung "Stazione" auf ruhigen Straßen in Serpentinen den Berg hinunter. Wir haben es geschafft: Um 16.55 Uhr treffen wir am Bahnhof Calalzo ein. Was für ein Timing!

Unser Abhol-Service von Fun Active ist noch nicht da. Das ist aber nicht so schlimm. Nach knapp 8 Stunden fast ununterbrochen im Sattel mit nur einer Rast am Cimabanche-Pass (und sonst nur kurzen Trinkpausen) sind wir dankbar für eine Pipi-Pause.

Das Bahnhofsgebäude selbst ist relativ schmucklos. Es stammt aus den 50ern, wie eine Schautafel informiert. Für die Radfahrer ist der Bahnhof aber ein wichtiger Knotenpunkt. Nicht nur wegen der Züge, die hier fahren. Auch ein Rad-Shuttle-Bus nach Cortina hält hier. Für Radler, die hier starten, beginnt freundlicherweise vor dem Bahnhof auch gleich die Beschilderung für den Dolomitenradweg.


Beschilderung Dolomitenradweg vor dem Bahnhof von Calalzo
 

Im Zeitraffer zurück nach Niederdorf

Der Transporter von Fun Active trifft um ca. 17.20 Uhr ein und lädt uns und unsere Räder auf. Interessanterweise fahren wir quasi die Strecke, für die wir rund 8 Stunden gebraucht haben, in ca. 80 Minuten wieder zurück. Wir fahren die meiste Zeit auf der Staatsstraße 51, die wie die Bahntrasse durch das Boite-Tal verläuft. Auf diese Weise bekommen wir die von uns gefahrene Strecke -- aus etwas versetzter Perspektive -- nun rückwärts im Zeitraffer "abgespult". Das ist sehr interessant.

Wir sind froh, dass wir uns bei den unübersichtlichen Verkehrsverhältnissen auf der Staatsstraße voll und ganz der Landschaft widmen können. Da die Staatsstraße im Gegensatz zur Bahntrasse meist mitten durch das Gewühl der Orte führt, herrschen dichter Verkehr und  Geschwindigkeitsbeschränkungen. Auch gibt es verschiedene kurvenreiche Abschnitt (z.B. den Cimabanche-Pass hinauf), die kein hohes Tempo zulassen.

Um ca. 18.45 Uhr setzt uns unser Fahrer sicher vor unserem Hotel ab. Bequemer geht es nicht. Da wir heute kaum zum Essen gekommen sind, haben wir einen Mordshunger. Wir nehmen im Hotel das Menü. Dazu gönnen wir uns als Belohnung für die heutigen (freilich selbst auferlegten) Strapazen eine ganze Flasche Rotwein. Als wir nach dem Abendessen noch ein paar Schritte ums Hotel gehen wollen, ist es leicht am Regnen. Aber wir sind froh, dass es unterwegs trocken geblieben ist.
 
Hinweis zum Rücktransport: Alternativ hätten wir möglicherweise auch etwas preiswerter mit dem Linien-Fahrrad-Shuttle-Bus fahren können. Dann wären wir aber an bestimmte (frühere?) Abfahrzeiten gebunden gewesen und möglicherweise hätten wir in Cortina umsteigen und von Toblach wieder zurück nach Niederdorf  radeln müssen. Das wäre sicherlich nicht so spaßig geworden. Und was würde wohl passieren, wenn der Bus voll ist?

So konnten wir die Zeit für die Abholung in Calalzo vorher selbst bestimmen. Aus sportlichen Gründen wollten wir pünktlich in Calalzo eintreffen. Wenn wir aber erst später eingetroffen wären, hätte unser Fahrer im Gegensatz zum Bus auf uns gewartet. Hätten wir eine Panne gehabt, uns unterwegs die Kräfte verlassen oder ein Unwetter die Weiterfahrt vereitelt, so hätte uns der Fahrer auch irgendwo anders an der Strecke eingesammelt (Handy sei Dank). Also, alles ganz entspannt.

Fazit Dolomiten-Radweg

Eine Erlebnis der Extral-Klasse! Wer Berge liebt, aber beim Radeln lieber die Landschaft genießen will, kommt hier voll auf seine Kosten. Mit dem Trekking-Rad auf einer Strecke von ca. 70 Kilometern weitgehend autofrei durchs Hochgebirge ist schon eine tolle Sache.

Vom Anspruch und Charakter her muss man die Abschnitte Toblach-Cortina (ca. 30 km) und Cortina-Calalzo (ca. 40 km) unterscheiden:

Zwischen Toblach und Cortina fährt man fast nur auf mehr oder weniger gut geschotterten Wegen. Die ersten 15 Kilometer gehen dabei fast ununterbrochen aufwärts. Dafür gehen die fast nächsten 15 Kilometer so gut wie ständig abwärts (ohne extreme Gefällestrecken). Dieser erste Teil ist sicherlich der beschwerlichere. Allerdings ist man hier den Bergen besonders nah. Und die kurvenreichere Strecke im Bereich der Felizon-Schlucht mit Tunnels und der langen Brücke ist einfach ein Erlebnis.

Die Strecke ist auch mit einem Trekking-Rad zu bewältigen. Vor allem beim Aufstieg zum Cimabanche-Pass ist man aber wegen der häufigeren grob-geschotterten Stellen bei den Bachquerungen sicherlich besser mit einem Mountainbike bedient (aufgrund der breiteren Bereifung und besseren Beweglichkeit). Vom rein sportlichen Aspekt her dürften eingefleischte Mountainbiker aber wohl nicht ganz auf ihre Kosten kommen. Und noch ein Hinweis: Nach oder während schwererer Regenfälle wird die Strecke womöglich aufgrund anschwellender Bäche, die die Wege kreuzen, unpassierbar.


Herrliche Bergkulisse zwischen Toblacher See und Dürrensee
 

Während die Strecke bis Cortina eher sportlich ist, ist der zweite Teil insgesamt recht einfach zu fahren. Es überwiegen asphaltierte Strecken. Meist geht es angenehm bergab (extreme Gefällestrecken gibt es auch in diesem Teil nicht). Mountain-Biker kommen auf diesem Abschnitt sportlich erst recht nicht auf ihre Kosten.

Verbesserungswürdig ist in diesem Abschnitt aber vor allem die schlechte Umfahrung bei Acquabona. Aufgrund der neuen Asphaltierung zwischen Acquabona und Chiapuzza hat sich aber wenigsten dort die Situation wesentlich gebessert und nur ein kürzeres Stück durch den Wald ist noch geschottert.

Auf dem restlichen Stück bis Calalzo kann man herrlich meist auf separaten Wegen laufen lassen und genießen. Oft fährt man schöne Strecken quasi durch die Hintergärten der Orte und parkähnliche Landschaften, meist angenehm bergab. Vom Verkehrsstress auf der Staatsstraße bekommt man so gut wie nichts mit.

Das kurze Stück Staatsstraße hinter Peaio ist zu verschmerzen (allerdings nicht gerade familientauglich). Am malerischsten fanden wir den Teil, der dann folgt, sowohl von der Landschaft als auch von der kurvigen Streckenführung mit Tunnels und Brücken.

Schön ist die landschaftliche Veränderung, die man über die gesamte Strecke erlebt: von einer rauhen Berglandschaft bis ins mediterrane Calalzo.

Unter den o.g. Rahmenbedingungen ist die Dolomitenbahnstrecke erlebnisreich, landschaftlich sehr ansprechend, insgesamt leicht zu finden (ausreichende Beschilderung, wenn auch uneinheitlich) und auch sportlich für Trekking-Radler zu bewältigen.

Fazit: Absolut empfehlenswert!

P.S.: Am liebsten würden wir die Dolomitenbahnstrecke nochmal in eine unserer nächsten Radreisen einbinden. (Vielleicht von Toblach nach Venedig?)
 


 Lob und Tadel an den Verfasser

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