Dreiländertour Deutschland, Holland, Belgien (9. - 11.5.2002)

oder „Drei Länder in drei Tagen“

Die ursprüngliche Planung sah vor, in drei Tagen von Amern (im Schwalmtal) aus über Roermond und Maastricht an der Maas entlang bis Lüttich zu fahren und von dort aus mit einem Abstecher über das Hohe Venn nach Eupen. Von Eupen sollte es dann über Aachen entlang des Flüßchens Wurm wieder zurück nach Amern gehen. Insgesamt ca. 240 Kilometer.
Lesen Sie im folgenden, was daraus geworden ist.
 

9.5.2002 (Donnerstag, Christi Himmelfahrt): Amern - Maastricht (100 km)

10.5.2002 (Freitag): Maastricht - Eupen (63 bkm)

11.5.2002 (Samstag): Eupen - Geilenkirchen (63 km)

Fazit
 


9.5.2002 (Donnerstag, Christi Himmelfahrt): Amern - Maastricht (100 km)

Mit der S-Bahn bzw. Regionalbahn geht es gemeinsam mit Frank H. von Gerresheim (8.24 Uhr) über Mönchengladbach nach Boisheim. In Mönchengladbach, wo wir ausreichend Zeit zum Umsteigen haben, treffen wir Ralf. Gemeinsam fahren wir nach Amern, wo wir uns allerdings zunächst verfahren, weil wir uns nicht sicher sind, in welchem Stadteil Detlef wohnt. Mit kurzer telefonischer Unterstützung kommen wir dann aber trotzdem noch wie geplant um 10.15 Uhr am Treffpunkt in Amern an (wie gut, dass es Handys gibt).

Nach einer Kaffeepause bei Detlef geht es dann um ca. 11 Uhr los. Wir sind leider nur zu siebt, da Chris aufgrund eines Hexenschusses kurzfristig absagen musste.

Über Brüggen geht es immer entlang bzw. in der Nähe der Schwalm nach Roermond, nur unterbrochen durch eine kurze Rast an der holländischen Grenze (die man kaum wahrnimmt). Die Wege führen meist durch den Wald und sind streckenweise etwas schlammig, weil es an den Tagen zuvor geregnet hatte.

Holländische Grenze
Rast an der holländischen Grenze

In Roermond durchqueren wir die Altstadt, wo wir am Marktplatz nur ganz kurz anhalten, um dem Glockenspiel zu lauschen.
Anschließend geht es auf gut ausgebauten Radwegen bzw. auf wenig befahrenen Straßen immer an der Maas entlang.

Nach einer Rast an einer Schleuse, kommt am frühen Nachmittag auch endlich die Sonne durch und es wird noch angenehm warm. Der Weg verläuft jetzt meist in unmittelbarer Nähe der Maas. Über weite Strecken bekommt man aber nichts von ihr zu sehen. Häufig fahren wir kilometerweit schnurgeradeaus neben der Böschung des Kanals, teilweise aber auch auf schmalen Wegen auf dem Damm des Juliana-Kanals, später wieder neben dem Kanal.

Maaskanal
Entlang des Maaskanals

Wir folgen immer dem Radweg LF 3a. Die Beschilderung ist gut bis sehr gut. Auf der zweiten Hälfte der Etappe fahren wir meist auf Radwegen oder wenig befahrenen Straßen. Die Oberfläche wechselt häufig. Sie schwankt zwischen gut asphaltiert bis übelste Schotterpiste. Wir kommen an Feldern und Wiesen vorbei und durchqueren einige kleine Orte. Auch an dem einen oder anderen Schloss kommen wir vorbei (vorherrschendes Baumaterial: Backsteine).

Die Kilometer summieren sich, aber wir sind trotzdem noch weit von unserem Ziel entfernt. Wie sich herausstellt, haben sich Detlef und Ralf bei der Planung mit der Streckenlänge verschätzt ...

Unser Zeltplatz liegt außerhalb von Maastricht. Um ihn zu erreichen müssen wir die Randbezirke von Maastricht durchqueren. Zu unserer Überraschung wir es am Rande von Maastricht richtig hügelig! Um unseren Zeltplatz zu erreichen, müssen wir am Ende sogar noch den sogenannten Bemeler Berg erklimmen (ca. 11 % Steigung über mehrere Kilometer!). Willkommen in den Dutch Mountains!

Um 18.40 Uhr kommen wir endlich am Zeltplatz an, nach ca. 100 Kilometern. (Je nach individueller Anfahrtsstrecke kommen noch einige Kilometer hinzu. Frank und ich haben am Ende dieses Tages z.B. knapp 115 km auf dem Tacho stehen.)

Das Abendessen nehmen wir auf der Terrasse des Campingplatz-Restaurants zu uns. Um nach Maastricht hinein zu fahren, sind wir zu kaputt. Der Zeltplatz ist an sich ganz in Ordnung. Die Duschen haben aber einen großen Nachteil: Es gibt nur heißes Wasser! Es ist gar nicht so leicht, dass Duschen ohne Verbrennungen zu überstehen.
 

10.5.2002 (Freitag): Maastricht - Eupen (63 km)

Nach dem Frühstück auf dem Zeltplatz starten wir um ca. 10 Uhr. Es geht so weiter, wie es am Vortag aufgehört hat: mit Hügeln wie im bergischen Land. Die Landschaft ist schön. Leider ist es aber bewölkt und leicht neblig.

Dutch Mountains
Ländliche Idylle in den "Dutch Mountains"

Unser ursprünglich für die heutige Etappe geplantes Zwischenziel Lüttich lassen wir fallen, da wir angesichts der vielen Hügel heute nicht wieder 100 km fahren wollen. Ein Radler, den wir unterwegs treffen, rät uns auch von Lüttich ab, da nicht besonders für Radler geeignet. Gegen Mittag stossen wir vor Visé (südlich von Maastricht) wieder auf die Maas.

Gebaeude am Maasufer in Vise
Interessantes Gebäude mit Glockenturm am Maasufer in Vise
 

Weiter geht es über Blegny nach Herve immer rauf und runter, oft 100 Höhenmeter und mehr. Bei Bolland kommen wir an Schloss und Kirche vorbei. Für eine Besichtigung haben wir aber keine Zeit.

Zwischen Blegny und Herve
Hügelstrecke zwischen Blegny und Herve
 

Um ca. 14 Uhr machen wir kurz vor Herve an einer Kreuzung mit ein paar Häusern Rast (siehe Foto), nachdem wir gerade einen Hügel heraufgefahren sind. Bisher haben wir erst 33 km zurückgelegt.

Rast bei Herve
Rast bei Herve
 

Zwischen Herve und Thimister-Clermont fahren wir recht bequem (leicht schlammig, da nicht asphaltiert, ab und zu fallen einige Regentropfen). Bei Battice kommen wir an einer alten Festungsanlage aus der Zeit des 1. bzw. 2. Weltkriegs vorbei, die davon zeugt, dass es hier nicht immer so friedlich zuging. Ab Clermont geht es mit Hügeln weiter.

Kloster bei Clermont
Kloster bei Clermont
 

Am Nachmittag (ca. 15.30 Uhr) zieht es sich dann immer weiter zu und ein heftiger Regenschauer geht nieder, so dass wir die nächsten Kilometer in Regenklamotten zurücklegen müssen. Über Baelen und Membach geht es weiter. Um ca. 16.40 Uhr erreichen wir Eupen

Kirche in Eupen
Kirche in Eupen
 

In Eupen machen wir vor einem Bäckerei-Kaffee Rast bei Kaffee und Kuchen (siehe Foto). "Endlich!", muss man sagen, denn obwohl wir durch viele kleine Orte gekommen sind, gab es nirgendwo z.B. einen schönen Marktplatz mit einem gemütlichen Cafe, wo wir hätten einkehren können. (Statt von einem belebten Martplatz sind die Kirchen meist von einem Friedhof umgeben.)

Cafe Kelleter in Eupen
Cafe Kelleter in Eupen
 

Auf meinen geliebten Milchkaffee muss ich aber auch hier verzichten. Stattdessen gibt es "Le Russe" (schreibt man das so?): Heiße Milch in einem hohen Glas serviert und darauf Instant-Kaffee gestreut (nur noch umrühren, fertig ist der Milchkaffee). Schmeckt aber gar nicht so schlecht.

Nach ca. 63 km erreichen wir um 17.40 Uhr unseren Zeltplatz "Hertogenwald", der ganz nett im Wesertal liegt, an einem Wasserfall der Weser (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fluss in Norddeutschland).

Da wir keine Lust haben, zum Abendessen zurück den Berg hoch ins Zentrum von Eupen zu fahren (besonders einladende Restaurants haben wir bei der Durchfahrt auch gar nicht gesehen), fahren wir auf eine Empfehlung des Zeltplatzwarts noch ca. 1-2 km stadtauswärts, wo es eine ("echt belgische") Pommesbude gibt.

Unser Abendessen wird daher nicht besonders stilvoll: Wir sitzen draussen auf einfachen Holzbänken und essen mit Plastikbesteck aus Plastikschalen. Getränke gibt es nur aus der Dose. Immerin sind die Pommes-Frites-Portionen recht übig. Auch schmecken die Pommes gar nicht so schlecht (allerdings können sich nicht alle dieser Meinung anschließen ...).

Original belgische Frittenbude
Original belgische Frittenbude
 

Da wir mit dem Essen ziemlich schnell fertig sind, beschließen wir den Abend bei halbwegs lauen Temperaturen auf dem Zeltplatz bei Kerzenlicht mit Dosenbier und anschließend einem Nachtkaffee.
 

11.5.2002 (Samstag): Eupen - Geilenkirchen (63 km)

Nach einem Frühstück auf der grünen Wiese (zum zweiten Mal ohne Brötchen!) fahren wir um ca. 9.45 Uhr (!) bei leichtem Nieselregen ab. Um Eupen zu verlassen, müssen wir gleich eine heftige Steigung hinter uns bringen. Weiter geht es mit Hügeln über Raeren, Eynatten und Nütheim. Ab Eynatten rollen wir über sehr gut asphaltierte Wege Richtung Kornelimünster. Alte -- mit Moos überzogene -- Panzersperren (von Kühen zum gemütlichen Anlehnen genutzt) erinnern uns daran, dass hier irgendwo die Grenze verlaufen muss und wir also wieder nach Deutschland zurückkommen. Am späten Vormittag erreichen wir schließlich den Marktplatz von Kornelimünster.

Marktplatz in Kornelimünster
Marktplatz in Kornelimünster
 

Er ist zwar relativ menschenleer (obwohl hier jede Menge Autos herumstehen, die das mittelalterliche Bild stören). Das Ambiente mit den schönen alten Häusern lädt aber geradezu zu einer Rast in einem der Cafes ein. Wir entscheiden uns für das Cafe Napoleon, wo ich endlich auch einen echten Milchkaffee bekomme.

Cafe Napoleon
Rast vor dem Cafe Napoleon in Kornelimünster
 

Weiter geht es erst über diverse Hügel über schöne Radwege, bald dann aber durch die Vororte von Aachen. Um ca. 13.15 Uhr kommen wir nach (nur!) ca. 33 km im Zentrum von Aachen an, wo wir Dom und Rathaus kurz (von außen) besichtigen.

Rathaus in Aachen
Das Rathaus in Aachen (Rückseite)
 

Hinter Aachen verzieht sich der Dunst und Nebel und die Sonne kommt nach und nach heraus, so dass es am Nachmittag noch angenehm sonnig und warm wird. Weiter geht es auf der 2-Länderradroute, mal auf holländischer, mal auf deutscher Seite. Die Beschilderung ist ganz gut. Streckenweise nutzen wir aber auch eine "Abkürzung" durch Kohlscheidt und Herzogenrath, was aufgrund des starken Verkehrs nicht so viel Spaß macht.

Später folgen wir teilweise recht idyllisch dem kleinen Flüßchen Wurm, vorbei an Schloß Rimburg.

Da es von vornherein klar ist, dass die Strecke zurück zu unserem Startort Amern zu weit sein würde, lassen wir unsere Radtour am Bahnhof von Geilenkirchen enden, wo wir um ca. 16.30 Uhr ankommen Von dort aus gibt es ganz gute Zugverbindungen nach Mönchengladbach bzw. Düsseldorf.

Auf der heutigen Etappe haben wir noch einmal ca. 63 km zurückgelegt (zuzüglich ca. 7 km Rückfahrt vom Bahnhof Düsseldorf).

Damit haben wir (je nach Anfahrt) in diesen drei Tagen ca. 250 km über zum Teil recht heftige Hügel zurückgelegt. Das sollte reichen.
 

Fazit

Eine Radtour, bei der Planung und tatsächlich gefahrene Strecke weit auseinander lagen. Was jedoch nicht weiter tragisch war, da die Industriestadt Lüttich wahrscheinlich sowieso nicht so sehenswert gewesen wäre und Hügel hatten wir auch ohne das Hohe Venn schon wirlich genug. Mir persönlich haben gerade diese Hügelstrecken in den Dutch Mountains und in Belgien sehr gefallen. Wenn es (besonders an den Vormittagen) klarer gewesen wäre, hätte man bestimmt schöne Fotos von der Landschaft machen können. (Allerdings hätten uns Sonne und hohe Temperaturen beim Erklimmen der Hügel ganz schön zu schaffen gemacht.)

Etwas eintönig fand ich auf der ersten Etappe die Strecken an der Maas bzw. immer schnurgeradeaus an den Kanälen entlang. Da haben wir schon schönere Flußtouren gesehen.

Von den Orten ist (natürlich neben Aachen mit Dom und Rathaus) Kornelimünster besonders sehenswert.

Den tiefsten Eindruck hat bei mir aber etwas hinterlassen, von dem man eigentlich gar nichts bemerkt: Wir sind durch drei Länder gefahren, haben mehrfach die Grenzen überquert und davon fast nichts bemerkt. Es gibt keine Grenzkontrollen, keine Schlagbäume, bis auf ein paar kaum auffallende Grenzsteine keine Hinweise, dass man eine Grenze überquert. Und überall bezahlt man mit dem gleichen Geld.

Wie toll das ist, wird einem erst bewußt, wenn man die Festungsanlagen und Panzersperren aus dem ersten bzw. zweiten Weltkrieg sieht, an denen man von Zeit zu Zeit vorbeikommt. Diese stummen Zeugen aus Beton machen uns klar, dass so eine unbeschwerte Dreiländertour nicht zu allen Zeiten möglich war. Auf unserer Radtour konnten wir eindrucksvoll erleben, wie Europa zusammenwächst.
 

Hier noch ein Tipp für alle Radtourenplaner: Es kann ganz schön ins Auge gehen, wenn man versucht die Streckenlänge auf der Karte nur mit Hilfe eines Lineals zu bestimmen. Nicht immer hat man die Möglichkeit, eine Etappe abzukürzen.
Ein Kartenmessrad sollte auf jeden Fall zur Hilfe genommen werden. Aber selbst wenn man die Streckenlänge mit diesem Hilfsmittel bestimmt hat, zeigt die Praxis, dass man am besten noch 10 % hinzu geben sollte, damit die gemessenen mit den gefahrenen Kilometern weitgehend übereinstimmen. (Außerdem kann man sich unterwegs ja auch einmal verfahren.)

Als Kartenmaterial kam unter anderem zum Einsatz:

ADFC-Regionalkarte 1:75.000 "Aachen Dreiländereck", Bielefelder Verlagsanstalt, Bielefeld (Stand: keine Angabe)
 

Kommentare werden wie immer gerne genommen unter:

bike-turtle@online-club.de
 

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