Radtour Friedensroute (8. - 9.7.2000)

Mit dem Drahtesel auf den Spuren der Friedensreiter zwischen Münster und Osnabrück (oder: Eine Wochenendradtour im deutschen "Frühherbst")

Die Vorgeschichte

Die Planung:

- Das Info-Material
- Übernachtung
- Die Zugfahrt
Unterwegs:
- Bange Blicke auf die Wetterkarte
- An- und Abreise oder: eine Bahnfahrt, die ist lustig ...
- Sehenswürdig
- Nichts für Flachlandfetischisten
- Mit dem Friedensreiter über Stock und Stein?
- Die Beschilderung
- Land und Leute
- Das Reisewetter
Fazit
 

Die Vorgeschichte

Inspiriert von der kurzen Vorstellung der Friedensroute von Münster nach Osnabrück in Ausgabe 2/00 des Radtouren-Magazins, haben Isi und ich beschlossen, diese Strecke im Rahmen einer Wochenendradtour zu testen. Da bei dieser Route eine Mischung aus flachen und hügeligen Etappen zu erwarten war, sollte die Tour gleichzeitig zur Einstimmung für unsere diesjährige "große" Sommerradtour (Bergstraße, Rheingau, Pfalz) dienen.

Die Planung

Das Info-Material

Um es vorwegzunehmen: Diese Tour ist für all diejenigen eine wahre Freude, die gerne radeln, aber die Arbeit für die Planung scheuen. Wie im Heft 2/00 angegeben, haben wir bei Münsterland Touristik die Broschüre bestellt. Für einen Spottpreis von 7,50 DM (inkl. Porto) erhält man alle Unterlagen, die man für die Planung der Tour und unterwegs benötigt (inkl. Kartenmaterial im Maßstab 1:50.000). Erfreulich ist auch die schnelle Lieferung der Broschüre.
Die Broschüre ist ein schmales Heftchen im Hochformat. Es paßt unterwegs zur Not sogar in die Hemd- oder Gesäßtasche. Es enthält in kompakter aber übersichtlicher Form die folgenden Informationen:
 

Kurzum: Es sind alle Informationen, die man zur Tourenplanung oder während der Tour benötigt enthalten. Vorbildlich!

Übernachtung

Für die Auswahl des Hotels haben wir nicht auf die Unterlagen der Münsterland-Touristik zurückgegriffen, sondern uns am Hotel-Angebot in "Bike & Bett NRW" orientiert. Mit Bike & Bett haben wir schon zweimal gute Erfahrungen gemacht, auch wenn die Übernachtungsmöglichkeiten dadurch stark eingeschränkt werden. Wir entscheiden uns für ein Hotel in Lengerich. Sicherheitshalber haben wir ein Zimmer reserviert (in NRW herrscht Ferienzeit). Auch diesmal hat uns übrigens das "B&B-Hotel" nicht enttäuscht.

Lengerich
Historische Kirche und Kirchhoftor "Römer" in Lengerich

Die Zugfahrt

Für die Zugfahrt waren die folgenden Schritte notwendig:
 


Unterwegs

Bange Blicke auf die Wetterkarte

Je näher der Termin rückt, desto mehr enttäuschen die Wetterberichte alle Hoffnungen auf ein schönes Sommerwochenende per Fahrrad. Und das im Juli! Zuletzt wird für den Sonntag intensiver Dauerregen vorhergesagt! Aber was hilft es. Das Zimmer ist gebucht, die Fahrradstellpätze sind reserviert. Die nachfolgenden Wochenenden sind schon mit anderen Dingen verplant. Also wird auch gefahren!

An- und Abreise oder: eine Bahnfahrt, die ist lustig ...

Wenigstens schaffen wir die Anfahrt zum Bahnhof (ca. 7 km) schon einmal im Trockenen. Die Bahnfahrt ist eigentlich auch OK, wenn man einmal davon absieht, dass sich das Fahrradabteil an einer ganz anderen Stelle befindet als im Wagenstandanzeiger angegeben. Nur die Ruhe bewahren! Das Einsteigen geht schneller als man glaubt. Der Zug bekommt wegen uns keine Verspätung. Die Zugfahrt ist darüber hinaus recht lehrreich: Wir haben einen Urlauber-Zug an die Nordsee erwischt, der rappelvoll ist. Daher müssen wir uns mit den Klappsitzen im Fahrradabteil begnügen. Merke: Nicht nur Stellplätze fürs Fahrrad reservieren, sondern gleich auch Sitzplätze dazu (auch wenn diese im Gegensatz zur Fahrradreservierung ein paar Mark kosten).

Die Rückfahrt von Osnabrück ist übrigens auch nicht besser. Der Zug kommt aus Sylt ... Außerdem herrscht im Fahrradabteil ein ziemliches Durcheinander, weil sich zwei Fahrräder (darunter ein sperriges Liegerad) im Abteil befinden, für die gar kein Stellplätze reserviert sind, was den Schaffner übrigens überhaupt nicht weiter stört. Die Folge: Wir dürfen uns bis Münster mit unseren beiden Fahrrädern in den schmalen Durchgang quetschen und dabei die Funktion unserer Klappsitze testen. Glücklicherweise steigen in Münster vier Radler aus, was sich allerdings aufgrund der Enge recht schwierig gestaltet. Erkenntnis: Nicht immer ist die Bahn schuld, wenn das Fahrradabteil überfüllt ist. Leider gibt es auch ziemlich rücksichtslose Radler!

Sehenswürdig

Für die 115 km lange Strecke haben wir zwei Tage eingeplant. Wer sich allerdings die 19 großen und kleinen Sehenswürdigkeiten, die in der Broschüre beschrieben sind, näher ansehen möchte, sollte sich mehr Zeit lassen.

Lorettokapelle
Die Lorettokapelle von Haus Dyckburg am Rande von Münster

Neben den beiden Altstädten von Münster und Osnabrück mit deren geschichtsträchtigen Rathäusern, dem Start- und Endpunkt der Tour, sind dies vor allen Dingen die liebevoll restaurierten Fachwerkhäuser in den Ortskernen von Gimbte, Tecklenburg und Lienen, die zum Verweilen in Biergärten oder Cafés einladen.
 

Fachwerkhaus in Tecklenburg
Fachwerkhaus am Marktplatz von Tecklenburg

In Bad Iburg sollte man einen Abstecher zum Schloß einplanen.

Schloss Iburg
Blick in den Innenhof von Schloss Iburg

Einladend sind auch die vielen Cafés in Osnabrück in der Umgebung des Rathauses. Wer gerne Kuchen ißt und es schön urig mag, sollte das Café Melange (Marienstraße) besuchen.

Marienstrasse
Alte Fachwerkhäuser in Osnabrück (Marienstraße)

Nichts für Flachlandfetischisten

Die erste Hälfte der Tour geht durch das bekanntermaßen relativ flache Münsterland. Hier gibt es – im Gegensatz zu den "berüchtigten" Baumbergen im Münsterland – nur unbedeutende Erhebungen. Bei den meisten Hügeln handelt es sich um Brücken über Autobahnen oder über den Dortmund-Ems-Kanal, der im Verlauf der Strecke insgesamt dreimal überquert werden muss.
 

Ladbergen
Ländliche Idylle bei Ladbergen

Es darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die zweite Hälfte der Strecke am bzw. durch den Teutoburger Wald verläuft. Mit größeren Hügeln muss man vor allen Dingen zwischen Brochterbeck und Lengerich und wieder zwischen Bad Iburg und Hasbergen rechnen. Wer nur über 7 Gänge oder weniger verfügt, muss gelegentlich schieben. Glücklicherweise gibt es aber auf der zweiten Hälfte der Strecke immer wieder auch flache Abschnitte. Zwischen Lengerich und Lienen fährt man z. B. einige Kilometer (immer in einem ehrfurchtsvollen Sicherheitsabstand) am Rande des Teutoburger Waldes entlang.
 

Zwischen Lengerich und Lienen
Entlang des Teutoburger Waldes zwischen Lengerich und Lienen

Besonders wer die Altstadt von Tecklenburg besichtigen will, muss eine lange Steigung mit Serpentinen überwinden. Die Schweißperlen, die dabei geopfert werden müssen, sind aufgrund der malerischen Fachwerkhäuser-Ensembles eine gute Investition.

Tecklenburg Altstadt
Blick auf die Häuser im historischen Ortskern von Tecklenburg von der Geschützbastion aus

Mit dem Friedensreiter über Stock und Stein?

Keine Sorge! Die Strecke führt im Allgemeinen über asphaltierte Wege mit wenig oder gar keinem Autoverkehr. Über kurze Abschnitte lässt die Qualität aber merklich nach. So geht es z.B. hinter der Havichshorster Mühle knapp einen Kilometer über einen unbefestigten Feldweg. Zwischen Brochterbeck und Tecklenburg geht es über zwei Kilometer über einen schlechten Waldweg (teilweise bergauf).
 

Im Teutoburger Wald
Mitten im Teutoburger Wald (zwischen Brochterbeck und Tecklenburg)

Aufgrund der Hügel und der Abschnitte mit schlechterer Oberfläche ist die Strecke nur bedingt familientauglich.

Die Beschilderung

In Münster haben wir vor lauter Radwegschildern wohl ein Schild übersehen und uns prompt verfahren. Überhaupt ist im Münsterland die Beschilderung mit dem Friedensroutenschild etwas dünn gesät. Was allerdings nicht so schlimm ist, weil die Friedensroute die meiste Zeit parallel zu anderen Radwanderwegen verläuft (z. B. 100-Schösser-Route). Welche  (sehr gut ausgschilderten)  Radfernwege genutzt werden müssen, ist aber in der Wegebeschreibung und im Kartenmaterial genau angegeben. Im Teutoburger Wald wird dann die Friedensroutenbeschilderung dichter, was die Orientierung vereinfacht.
Das Aussehen der Friedensroutenschilder variiert. Die Friedensroutenschilder sind zwar über die gesamte Strecke gesehen ähnlich, aber nicht gleich. Gemeinsam haben die Schilder jedoch das Friedensreitersymbol.

Die Schilder sind zwar liebevoll gestaltet (ein gemalter Friedensreiter), aber praktischer wäre es gewesen, den Richtungspfeil größer zu machen, damit man ihn möglichst von weitem schon erkennen kann. (Ein Problem, das man leider bei vielen Radwegbeschilderungen antrifft.)

Auch wäre es praktisch, wenn sich die Friedensroutenbeschilderung besser von den Beschilderungen anderer Radwege abheben würde.

Auf jeden Fall gut gelungen ist die Wegeführung und die Beschilderung in den kleinen und größeren Orten, durch die man kommt. Man muss also keine Angst haben, sich bei einer Ortsdurchfahrt zu "verfransen".
Der Weg in die Innenstadt von Osnabrück ist übrigens besonders unproblematisch: Man fährt durch verkehrsberuhigte Wohngebiete schnurgeradeaus direkt in die Altstadt.

Katharinenkirche in Osnabrück
Kurz vor dem Ziel: Die Katharinenkirche in Osnabrück (zwischen zwei Schauern aufgenommen ...)

Land und Leute

Sowohl im Münsterland als auch im Bereich des Teutoburger Waldes sind die Menschen freundlich und auch hilfsbereit, wenn mal nicht mehr den Weg weiß. Begegnungspunkte sind auch die zahlreichen Biergärten und Terrassencafés, die an der Strecke liegen.


Biergarten an der Ems bei Greven

Im Münsterland und in Niedersachsen fahren die Autofahrer in der Regel erstaunlich defensiv gegenüber Radfahrern. Das muss man mal loben. Wenn ich das mit meiner Heimatstadt Düsseldorf vergleiche ... Daher, liebe Düsseldorfer Autofahrer: Bitte nehmt euch ein Bespiel daran. Es geht nämlich doch! (Man muss nur wollen.)

Das Reisewetter

Mäßige Temperaturen (knapp 20 Grad) und auf der zweiten Etappe ab Bad Iburg immer wieder mehr oder weniger starker Nieselregen, allerdings nicht so stark wie vorhergesagt. Wenn Sie für den Herbst noch nach einer Wochenendradtour suchen: Unserer Erfahrung nach ist die Friedensroute dafür geeignet ...

Fazit

Man sollte sich nicht von schlechten Wettervorhersagen abhalten lassen (gutes Regenzeug und wasserdichte Packtaschen sind allerdings Voraussetzung). Auch wenn das Wetter eher herbstlich war: Wir haben uns an diesem Wochenende prima vom Alltagsstress erholt. Es kam uns vor wie ein kleiner Urlaub.

Wer Spaß an einer ausgewogenen Mischung aus schönen Landschaften und Sehenswürdigkeiten hat und dabei auch vor ein paar Hügeln nicht zurückschreckt, sei die Friedensroute wärmstens empfohlen. Vor allen Dingen haben diejenigen, die den Planungsaufwand für eine Radtour scheuen, keine Ausrede mehr: Dank der gut gelungenen Info-Broschüre von Münsterland Touristik ist die Tourenplanung schnell erledigt.
 

Eine Zusammenfassung dieses Radtourenberichts wurde übrigens in Heft 1/01 von RAD-TOUREN veröffentlicht.
 

Für alle, die immer und überall das letzte Wort haben müssen, hier noch meine E-Mail-Adresse:

bike-turtle@online-club.de
 

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