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Samstag, 10.7.2004, 2. Etappe: Etgert - Kirn (ca. 60 km)
 

Durchschlageübung durch die Hunsrücker Buschlandschaft

Am Morgen sind es frische 13 Grad. Da es nicht viel zum Frühstücken gibt, sind wir erstaunlich schnell wieder auf der "Piste". Um 9.45 Uhr fahren wir ab!

Der Zeltplatzbesitzer rät uns den Waldweg am Bach entlang zu nehmen, um wieder auf die Strecke zu kommen. Schon der Anfang des Weges lässt übles ahnen: ein unbefestigter, matschiger Waldweg, bei dem die Zweige der Büsche und Bäume am Wegesrand in den Weg hineinragen. Außerdem steigt der Weg an. Trotzdem versuchen wir es!

Der Weg wird aber zur Geduldsprüfung: Er ist mal schlammig, mal mit Gras zugewachsen. Immer muss man aufpassen, dass man nicht steckenbleibt. Wir kommen nur im Schritttempo vorwärts. Dann ist es soweit: Die ersten vor mir bleiben stehen und steigen ab. Ich denke, dass sie im Schlamm steckengeblieben sind. Aber es ist viel schlimmer: Über eine Strecke von ca. 30 Metern liegen Äste und Zweige quer über dem Weg! Selbst mit breiten Reifen und Federung ist an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Es hilft nichts: Wir müssen die Fahrräder mit vollem Gepäck über das Hindernis tragen.

Im Wald bei Etgert
Hindernis-Parcours: Ein Waldweg bei Etgert ... (Foto: Ralf)
 

Dahinter können wir die Fahrt jedoch halbwegs ungehindert fortsetzen. Eine scheinbar morsche Brücke hält unser Gewicht glücklicherweise stand. Der Weg scheint uns zwar mitten in die Botanik zu führen, erweist sich aber als richtig.

Holzbrücke
Diese Brücke stammt wohl noch aus der Zeit des Schinderhannes ... (Foto: Ralf)
 

Wenig später kommt noch das letzte "Hindernis" auf diesem Weg: Ein rot-weiß gestreiftes Band versperrt uns den Weg auf den breiten Forstweg. Der Weg war also eigentlich gesperrt!
 

Der Berg ruft ...

Wenig später stossen wir dann auf die Beschilderung Mosel-Hunsrück-Nahe und damit tatsächlich auf die Radroute Nahe-Hunsrück-Mosel. Wenigstens hat sich die Plackerei gelohnt. Aber schon wartet die nächste Prüfung auf uns: Ein langer, steiler Anstieg nach Hunolstein (grob geschätzt 150 - 200 Höhenmeter).

Kurz vor Hunolstein
Extreme Steigung bei Hunolstein
 

Damit der Forstweg überhaupt von Fahrzeugen befahrbar ist, sind links und rechts Betonplatten in den ansonsten geschotterten Weg eingelassen. Daran ist an sich nichts auszusetzen. Bei dem niedrigen Tempo, das noch möglich ist, ist es aber schwer sich auf der Spur zu halten. Kommt man von der Betonspur ab, landet man auf dem Schotter und das Fahren wird noch schwerer. Zweimal gelingt es mir, bei ca. 4 km/h noch mal auf die Betonspur zurückzukehren. Dann gebe auch ich auf und schiebe. Aber auch das ist mit dem schweren Gepäck, das mächtig nach unten zieht, sehr anstrengend. Und das ohne Frühstück!

Burgruine Hunolstein
Burgruine Hunolstein
 

Auf Beutezug im einsamen Hunsrück

Um ca. 11 Uhr kommen wir an der Burgruine Hunolstein an und haben also in mehr als einer Stunde gerade mal 5 Kilometer geschafft! Nach kurzer Verschnauffpause fahren wir weiter in den kleinen Ort hinein und halten Ausschau nach einem Laden, wo wir etwas essbares kaufen können, damit wir unsere Vorräte auffüllen können. Schließlich ist es Samstag und wir müssen damit rechnen, dass am Mittag die Geschäfte schließen.

Aber in Hunolstein scheint es keine Geschäfte zu geben. Plätzlich hören wir ein sich rasch näherndes Bimmeln. Es kommt von einem Bäckerwagen, der anscheinend die Dörfer abfährt. Aber: Er fährt vorbei! Glücklicherweise bleibt er aber 50 m weiter stehen. Nichts wie hinterher! Wie die Heuschrecken fallen wir über den Bäckerwagen her und kaufen den halben Brötchen- und Teilchenbestand auf.

Nachdem wir unsere Beute verpackt haben, geht es weiter. Glücklicherweise geht es jetzt erst einmal die meiste Zeit abwärts. Um ca. 12.15 Uhr erreichen wir den Ort Morbach. Hier gibt es einen großen Rewe-Laden und nicht weit weg davon auch Edeka.

Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen noch weitere Lebensmittel und Getränke. Nach der Abgeschiedenheit unserers letzten Zeltplatzes kommt uns der Rewe-Laden wie das Paradies vor.
 

Durch den tiefsten Hunsrück nach Rhaunen

Bis wir fertig sind, ist es fast 13 Uhr. Wir sind jetzt gerade einmal 14 km gefahren und haben wahrscheinlich noch dreimal so viel vor uns! Während es bisher eher bedeckt und kühl war, kommt jetzt auch mal die Sonne raus und es wir gleich angenehm warm. Wenig später erreichen wir die Burgruine Baldenau, wo wir kurz für eine Besichtigung Halt machen.

Burgruine Baldenau
Burgruine Baldenau
 

Nun wird es wieder dunkler und es fängt leicht zu tröpfeln an. Aber es hält sich und wenig später kommt auch wieder die Sonne raus. In einem ständigen Auf und Ab geht die Strecke weiter. Nach knapp 25 km müssen wir in einem Waldstück wieder einmal eine Zwangspause einlegen. Franks Low-Rider hat sich durch die vielen Rüttelstrecken selbständig gemacht und muss neu justiert werden.

Reparatur
Zwangspause zur Low-Rider-Justierung

Später stoßen wir wieder auf eine Straße, so dass wir auch wieder schneller vorwärts kommen. Der Autoverkehr ist sehr gering und stört nicht weiter.


Auf einsamen Straßen durch den Hunsrück
 

Die Hügel werden sanfter und die schlimmsten Steigungen haben wir hinter uns. Die Landschaft erscheint uns wieder freundlicher.

Die sanften Hügel des Hunsrücks
Die sanften Hügel des Hunsrücks
 

Der nächste größere Ort ist Rhaunen. Dort kommen wir um 14.45 Uhr nach knapp 40 km an und machen in einem Restaurant/Eis-Cafe eine Eis- und Kaffeepause.

Ortskern von Rhaunen
Ortskern von Rhaunen
 

Durch das Hahnenbachtal nach Kirn

Ab Rhaunen folgen wir nicht der eigentlichen Nahe-Hunsrück-Mosel-Strecke über Herrstein, sondern wir kürzen über die Straße durch das Hahnenbachtal die Strecke nach Kirn ab.

Kurz hinter Rhaunen
Kurz hinter Rhaunen
 

Hinter Rhaunen können wir zunächst einmal von oben einen Blick auf die Ruine Schmidtburg werfen, die ein ganzes Stück entfernt von uns im Tal liegt. Selbst von weitem sieht die Anlage sehr groß aus. Für eine Besichtigung fehlt uns aber die Zeit, weil wir noch mindestens 20 km vor uns haben und unsere Kräfte schonen wollen.

Die Ruine Schmidtburg
Die Ruine Schmidtburg
 

Bis nach Kirn geht es jedoch fast immer nur abwärts (ca. 180 Höhenmeter), so dass wir relativ zügig vorwärts kommen. Unterbrochen wir die Fahrt nur einmal wegen eines leichten Schauers, vor dem wir uns unter Bäumen am Straßenrand schützen. Als wir uns Kirn nähern werden wir von der über dem Ort kühn auf einem Felsen thronenden Kyrburg empfangen.

Die Kyrburg
Die Kyrburg
 

Um ca. 17.20 Uhr kommen wir nach einigen Umwegen am Zeltplatz "Papiermühle" in Kirn an. Insgesamt sind wir heute ca. 59 km gefahren.

Zeltplatz in Kirn
Zeltplatz in Kirn
 

Zum Abendessen bleiben wir auf dem Zeltplatz. Dort gibt es ein Restaurant, wo wir uns Schnitzel und Steaks bei einem zünftigen Kirner Pils schmecken lassen. Der Zeltplatz hinterlässt einen ordentlichen Eindruck: Saubere Duschen in ausreichender Anzahl und fließendes warmes Wasser.

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