Rheinradtour Weltkulturerbe, 3.8. - 5.8.2006 (ca. 270 km)
 

Argumente, warum eine Rheinradtour jetzt überfällig ist

Die meisten Radtouren, die wir in den letzten Jahren unternommen haben, waren Flusstouren. Dabei haben wir schon fast alle größeren deutschen Flüsse abgeradelt: Lippe, Mosel, Neckar, Ru(h)r, Werra, Weser etc. Den Fluss, der quasi vor unserer Haustür liegt, haben wir aber bei unseren Radtouren bisher ziemlich konsequent ignoriert: den Rhein.

Vielleicht liegt es daran, dass ich den Rhein täglich auf dem Weg zur Arbeit überquere. Irgendwie hat man sich an diesen Fluss halt gewöhnt. Was hat der Rhein denn schon zu bieten -- außer Wein und Gesang a la Rüdesheimer Drosselgasse auf der einen Seite und wenig malerischen Fabriken auf der anderen Seite?

Spätestens seit 2002 sollte die Frage leichter zu beantworten sein: Seitdem ist der obere Mittelrhein UNESCO-Weltkulturerbe. Das ist doch schon einmal was! Aber es kommt noch besser: Sind wir uns überhaupt darüber im Klaren, dass sich mitten in Deutschland ein außergewöhlicher Canyon (eigentlich korrekt: Cañon) befindet, womöglich noch einer der längsten Canyons Europas? Wenn man Canyon hört, denkt man ja gleich z. B. an den Grand Canyon in Amerika, eine bizarre wie trostlose Gegend, die so menschenfeindlich ist, dass es wahrscheinlich nur einigen wenigen ausgeflippten Mountain-Bikern vorbehalten ist, diese zu beradeln.

Der Canyon, um den es hier gehen soll, ist der Mittelrhein, der durchaus alle Kriterien eines Canyons erfüllt. Gleichzeitig handelt es sich jedoch um eine Kulturlandschaft, die seit Jahrtausenden von den Menschen, die dort lebten, geprägt wurde. Dies wiederum macht sich bemerkbar in zahlreichen Burgen, Schlössern und historischen Orten. Außerdem bietet der Mittelrhein beim genaueren Hinsehen aufgrund seiner klimatischen Besonderheiten eine Flora und Fauna, die in dieser Zusammensetzung nur hier anzutreffen ist.


Die Marksburg (Foto: Frank H.)
 

Es gibt also durchaus ein paar spannende Argumente, warum man vor allem dem Mittelrhein einen Besuch abstatten sollte.
 

Geografischer Hintergrund

Wenn vom Mittelrhein die Rede ist, versteht man darunter üblicherweise den Rhein zwischen dem so genannten Binger Loch und Bonn (Stromkilometer 530 - 655). Hier hat sich der Rhein seinen Weg durch das Rheinische Schiefergebirge gesucht und einen langen Canyon (korrekt: Cañon) gebildet. Ober- und Niederrhein sind dagegen durch weite Täler geprägt.


Der Loreley-Felsen (Foto: Frank H.)
 

Der südliche Teil des Mittelrheins wiederum ist 2002 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden. Genau handelt es sich dabei um die Kulturlandschaft "Oberer Mittelrhein" zwischen Bingen und Koblenz. Dieser ca. 60 Kilometer lange Abschnitt des Rheins wird geprägt durch die Windungen des Rheins, die steilen Felsen an seinen Ufern und nicht zuletzt durch die Burgen auf den Bergen, von denen angeblich beinahe 40 größere (und kleinere) auf diesem Abschnitt zu finden sind. Einige dieser Burgen werden auch auf den folgenden Radtouren-Tagebuchseiten zu sehen sein.

Hinweis: Die Radtourenstrecke verläuft fast komplett auf der linken Rheinseite nur die ersten Kilometer zwischen Düsseldorf und Dormagen-Zons verlaufen auf der rechten Seite.
 

Überraschende Bahnerfahrung

Bei dieser Tour wollten wir eigentlich möglichst wenig mit der Bahn zu tun haben: Erstens, weil die Mitnahme unserer schwer bepackten Fahrräder mit der Bahn immer eine ziemliche Plackerei ist. Zweitens, weil man entweder reservieren muss (IC) und sich damit lange im Voraus auf einen bestimmten Zug festlegen muss, oder man fährt mit dem Nahverkehrszug und weiß dann nie, ob man überhaupt noch reinpasst (oder wenn man drin ist, ob man überhaupt noch wieder rauskommt).

Daher wollen wir ohne weitere Bahnfahrt gleich von Düsseldorf aus starten und am Ende für die Rückfahrt nach Düsseldorf den Regionalexpress von Koblenz aus nehmen (Direktverbindung). Als eigentliches Ziel ist Bingen geplant, das wir aber von Koblenz aus quasi als Abstecher anfahren wollen.

Bei der Radtour kam dann aber alles anders. Am Ende hatten wir dann doch eine Fahrt mit dem IC/EC und dabei auch noch ein überraschend positives Bahnerlebnis. Dazu später mehr.
 

Streckenübersicht


 

Die Etappen (insgesamt ca. 270 km):


Routenkritik und Fazit

Also: Mir hat die Tour überraschend gut gefallen. Irgendwie hatte ich eine schlechtere Radwegführung und schlechtere -- vor allem schmalere -- Radwege erwartet. Diese Befürchtungen waren vollkommen unbegründet! Im Gegenteil: Die Strecke ermöglicht relativ entspanntes Radeln. Natürlich habe wir etwas Glück mit dem Wetter gehabt. Wer hätte gedacht, dass wir bei dieser Wettervorhersage alle drei Tage trocken und sogar noch mit recht viel Sonne durchkommen? Wieder hat sich gezeigt: Man sollte sich von schlechten Wettervorhersagen nicht abhalten lassen.

Zurück zur Startseite

Lob und Tadel an den Verfasser