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Römer-Radweg Teil 1, Xanten - Haltern/Recklinghausen (30.9.2000) – Eine kleine Herbstradtour

(von Xanten nach Haltern mit Verlängerung nach Recklinghausen, 90/110 km)

Kartenmaterial:

Eigentlich sollte es noch eine Wochenend-Radtour werden, da Frank aber "Cat-Sitter" spielen muss, steht uns nur ein Tag zur Verfügung. Wir haben aber den Vorsatz, einmal zu schauen, wie weit wir an einem Tag kommen. Wir wählen den Samstag aus, weil da das Wetter besser sein soll.
 

Wir starten um 8.15 Uhr in Gerresheim zum Hauptbahnhof. Dort ist der Bahnsteig schon rappelvoll. Die Herbstferien haben gerade begonnen und außerdem werden viele den Feiertag am kommenden Dienstag nutzen (Tag der Deutschen Einheit), um das Wochenende zu verlängern.

Unser Regionalexpress hat 6 Minuten Verspätung. Dies ist genau die Zeit, die wir in Duisburg zum Umsteigen haben. In Duisburg hetzen wir durch das Gedränge von Bahnsteig 11 nach 6. Aber es hat sich gelohnt: Die Regionalbahn hat gewartet! Um 10 Uhr kommen wir in Xanten an.

Xanten Bahnhof
Xanten Bahnhof

Nach kurzer Besichtigung der gemütlichen Altstadt und des Doms machen wir uns auf den Weg. Die Sonne ist herausgekommen und wir sind guter Dinge. Es geht zunächst einige Kilometer auf einer wenig befahrenen Straße den Rhein entlang. Es rollt prima.

Der Dom in Xanten
Der Dom in Xanten
 

Bei Wesel überqueren wir den Rhein und treffen auf die Lippe, der wir ab jetzt bis Haltern folgen werden, auch wenn wir eigentlich nur selten von ihr etwas sehen werden.

In Wesel verfahren wir uns ein wenig und machen einen ungewollten Abstecher zum Bahnhof. Danach geht es einige Kilometer durch den Wald eines Naturschutzgebiets. Hier sind die Wege nur von mäßiger Qualität (einfache Waldwege) und die Beschilderung ist lückenhaft. Der Weg ist ab hier übrigens über die nächsten Kilometer fast identisch mit der Radtour Ruhr.

Kurz hinter dem Wald stossen wir auf das kleine aber nette Örtchen Krudenburg. Hier machen wir an einem Platz mit Bänken nach 30 Kilometern die erste Rast. (Tipp: wenn man noch ein paar Hundert Meter weiter fährt, kommt noch einmal eine Rastgelegenheit direkt an der Lippe.)

Krudenburg, Rastplatz
Krudenburg, Rastplatz
 

Krudenburg, am schönen Rastplatz
Krudenburg: Idyllischer Rastplatz direkt an der Lippe gelegen
 

Anschließend, nach Überquerung der Lippe, führt der Weg ein Stück am Wesel-Datteln-Kanal enlang, geht dann aber wieder davon weg, um schnurstracks auf das sehenswerte Wasserschloß Gartrop mit einer alten Wassermühle zuzulaufen.

Danach entfernen wir uns wieder von der Lippe und wir durchqueren den Gartroper Busch, ein Waldgebiet. Die Wege sind aber in einem guten Zustand (asphaltiert). Danach führt der Weg uns Richtung Norden nach Schermbeck hinein, wobei wir 'mal wieder die Lippe (und natürlich auch den Wesel-Datteln-Kanal) überquere müssen.

In Schermbeck machen wir nach einer kurzen Besichtigung der Mühle und des alten Schlosses die nächste Rast in einem bayrischen Biergarten (ausgerechnet), um ein Kännchen Kaffee zu  trinken. Die Altstadt wirkt gemütlich und der Abstecher dorthin, der ein paar zusätzliche Kilometer kostet, lohnt sich. Wir haben jetzt ca. 45 Kilometer und damit die Hälfte der Strecke nach Haltern geschafft.

Am Schloss in Schermbeck
Am Schloss in Schermbeck
 

Danach geht es weiter über meist ausreichend gut asphaltierte Feld- und Waldwege. Die Römer-Route umfährt Dorsten im Norden, so dass wir uns einige Kilometer von der Lippe entfernen. Hinter Dorsten macht die Route einen Schlenker nach Süden für einen Abstecher nach Hervest. Eine stark befahrene Straße führt genau in den Ort hinein. Bis auf eine Kirche die gerade renoviert wurde, gibt es dort nicht viel zu sehen. Tipp: Wenn man nicht gerade nach einer Einkehrmöglichkeit sucht (wir haben dort zwei Lokale bzw. Restaurants gesehen) sollte man lieber auf den Umweg verzichten.

Im Bereich von Dorsten haben wir viel Spaß: Die Römer-Route ist in unseren beiden Karten teilweise unterschiedlich eingezeichnet. Die tatsächliche Routenführung ist nochmals anders! Selbst als wir uns einmal offensichtlich verfahren haben, finden wir wieder ein Römer-Routen-Symbol (diemal auf den Ashalt gemalt). Man kann sich hier wohl nicht auf eine Streckenführung einigen.

Über brauchbare Feld- und Waldwege geht es zwar parallel zur Lippe, allerdings in ein bis zwei Kilomter Entfernung. Dies ist aber ganz gut so und wahrscheinlich auch beabsichtigt. Würde man hier direkt an der Lippe fahren, käme man genau an den riesengroßen Chemiewerken im Norden von Marl vorbei. Schließlich bewegen wir uns am nördlichen Rand des Ruhrgebietes entlang!

Nach ca. 70 Kilomtern, in dem kleinen Ort Lippramsdorf, machen wir wieder 'mal eine Rast. Die Gelegenheit ist günstig, da wir im Ort auf ein geöffnetes Bäckerei-Café stossen, das geöffnet hat. Dort besorgen wir uns etwas zu essen und Getränke und machen es uns auf dem Platz gegenüber einem Brunnen gemütlich.

Rast in Lippramsdorf
Rast in Lippramsdorf (in die Lehne der Holzbank ist der Verlauf der Lippe eingeschnitzt)
 

Anschließend geht es zunächst weiter vorbei an Bauernhöfen und einem Steinkohlebergwerk. Dann kommt ein recht unangenehmes Stück Waldweg, das sehr sandig ist (ca. 1 Kilometer).

Sandiger Weg zwischen Lippramsdorf und Haltern
Sandiger Weg zwischen Lippramsdorf und Haltern
 

Durch einen Wald nähern wir uns Haltern. Nach Haltern hinein geht es überraschenderweise einen Hügel hinunter (immerhin ca. 20 Höhenmeter mit ordentlichem Gefälle). Danach geht es schnurstracks auf dem Radweg an einer Straße entlang (vorbei am Westfälischen Römermuseum) ins Zentrum von Haltern. Durch die Fußgängerzone gelangen wir zum Rathaus am Marktplatz.

Die Fußgängerzone in Haltern
Die Fußgängerzone in Haltern
 

Obwohl inzwischen die Bewölkung zugenommen hat und die Sonne weg ist, sitzen hier noch viele Leute: eine gemütliche Stimmung. Auch wir trinken im bzw. vor dem Eis-Café San Remo noch einmal einen Kaffee.

Am Marktplatz in Haltern
Am Marktplatz in Haltern (links: das Rathaus)
 
 

Rast im Eiscafe San Remo
Rast im Eiscafe San Remo
 

Da wir uns noch ausreichend frisch fühlen, beschließen wir, den Weg nach Recklinghausen fortzusetzen. Auf diese Weise sparen wir uns das Umsteigen mit der Bahn. Der eigentliche Grund ist aber, dass wir uns nach knapp 90 Kilometern über mehr oder weniger flaches Terrain nach einer wahrnehmbaren Erhebung sehnen. Der Weg nach Recklinghausen führt nämlich durch das hügelige Waldgebiet Haard, vorbei am Feuerwachturm am Rennberg, der eine gute Aussicht verspricht.

Der Weg aus Haltern heraus vorbei am Bahnhof ist schnell gefunden, da ich mich von meiner ersten Münsterland-Radtour vor ein paar Jahren noch etwas auskenne. Im Süden von Haltern überqueren wir ein letztes Mal die Lippe und den Wesel-Datteln-Kanal und verabschieden uns mit einem letzten Blick auf die liebliche Feld- und Wiesenlandschaft des Münsterlandes. Vor uns liegt jetzt noch eine Strecke von knapp 20 Kilomtern, die meiste Zeit durch den Wald.

Der Weg windet sich mit einer mäßigen Steigung durch den Wald. Nur einmal wird es etwas steiler. Von Haltern aus sind es ca. 85 Höhenmeter. Der Feuerwachturm ist ein ca. 30 Meter hoher Holzturm, der auf einer Lichtung steht. Klar, dass wir hinaufgehen.

Der Feuerwachturm am Rennberg
Der Feuerwachturm auf dem Rennberg
 

Blick vom Feuerwachturm
Blick vom Feuerwachturm (1)
 

Wolfgang beim Fotografieren
Was fotografiert Wolfgang denn da?
 

Blick vom Feuerwachturm
... unsere Fahrräder!
 

Franks neues Fahrrad
Und hier die Detailansicht: Franks tolles neues Fahrrad
 

Oben auf dem Turm ist es absolut still, bis auf leichtes konstantes Surren: Das sind die Mücken, die in großen Schwärmen um den Turm herumfliegen. Die Fernsicht ist zwar eingetrübt und inzwischen ist auch die Sonne dabei zu sinken. Trotzdem: Die Sicht ist auch jetzt noch beeindruckend, wenn auch etwas überraschend: Sind wir wirklich durch diese Landschaft geradelt? Wir sehen nur eine hügelige (!) grüne Waldlandschaft, im Norden vereinzelt Kirchtürme (von Haltern und Hullern?), im Süden ragt ein großes Chemiewerk oder ähnliches aus dem Wald heraus.

Blick vom Feuerwachturm (2)
Blick vom Feuerwachturm (2)
 

Nach einer letzten Stärkung setzen wir unsern Weg nach Recklinghausen fort. Es geht zwar jetzt abwärts, aber die Qualität des Weges ist schlechter geworden: unbefestigt mit viel Schotter. Später sind die Wege zwar asphaltiert, aber ziemliche Buckelpisten. Frank auf seinem Fully stört das natürlich nicht. Erst kurz vor Recklinghausen werden die Wege besser. Die letzten Kilometer müssen wir mit Licht fahren, da es inzwischen dunkel geworden ist.

Für die Rückfahrt nehmen wir den nächsten InterRegio nach Düsseldorf. Wir müssen aber eine halbe Stunde warten. Der Zug hat zwei Fahrradabteile, wobei das eine fast voll, das andere aber fast leer ist. Glück gehabt: Ohne Reservierung hätte das natürlich auch ins Auge gehen können. Bis auf ein paar Minuten Verspätung verläuft die Rückfahrt problemlos. Um 9.15 Uhr sind wir wieder in Gerresheim.
 

Epilog

Eine schöne und abwechslungsreiche Tagesradtour. Der September verabschiedet sich mit einem schönen Herbstag mit ausreichend Sonne und Temperaturen über 20 Grad. Am nächsten Tag (dem ersten Oktober) beginnt es bereits in der Nacht in Strömen zu regnen. Und es hört den ganzen Tag nicht auf. Die Temperatur fällt auf 14 Grad. Jetzt wird es richtig Herbst.

Zur Strecke muss man leider sagen, dass die Beschilderung nicht (mehr?) durchgängig ist. Außerdem gibt es immer wieder Varianten in der Streckenführung, was etwas verwirrend ist. Es ist daher ratsam, eine Radwanderkarte zu nutzen. Als gute Hilfe hat sich der Spiralo "Römer-Route" von BVA erwiesen. Die Kompass-Radwanderkarte war dagegen weniger brauchbar, da zu unübersichtlich.

Radwegbeschilderung in Krudenburg
Nicht überall an der Strecke ist die Radwegbeschilderung so gut wie in Krudenburg
 

Auf dieser Tagestour haben wir nur ca. ein Viertel bis ein Drittel der Römer-Route abfahren können. Diese Strecke hat aber unser Interesse geweckt, bei Gelegenheit auch noch die restliche Strecke bis Detmold zu erkunden. Vielleicht gibt es nächstes Jahr also einen Radtourenbericht Römer-Route Teil 2 und 3.

Nachtrag 30.12.2000: Vielen Dank an Frank für das Beisteuern weiterer Fotos zu diesem Radtourenbericht.

Nachtrag Oktober 2002: Die restliche Strecke bis Detmold wurde im Oktober 2002 erkundet, siehe Römer-Route 2002.
 

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