Ruhrtal-Radtour 6.-7.5.2006: Von Hagen nach Kettwig

Inhalt:

Streckenübersicht
Vorgeschichte
Samstag, 6.5.2006: Hagen - Hattingen, 49 km
Sonntag, 7.5.2006: Hattingen -- Kettwig, ca. 41 km
Fazit
 
 

Streckenübersicht


Tourenübersicht Wochenend-Radtour Ruhrtal
 
 

Vorgeschichte

In der Rheinischen Post hatte ich vor einigen Monaten gelesen, dass Hattingen eine schöne Altstadt haben soll und auch Rothenburg der Ruhr genannt wird. Da hat es sich angeboten, einen Besuch von Hattingen mit einer Radtour entlang des Ruhrtal-Radwegs zu verbinden, der erst am 30. April 2006 (wahrscheinlich bei strömendem Regen) eröffnet wurde. Wettermäßig haben wir es aber an dem geplanten Wochenende besser angetroffen: Der Wetterbericht sagt sonniges und trockenes Mai-Wetter voraus.
 

Samstag, 6.5.2006: Hagen - Hattingen, 49 km

Hinweis: Eigentlich sind es nur gut 40 km, aber mit Abstechern (freiwillig und unfreiwillig) kommen noch ein paar km dazu.
 

Anreise nach Hagen

Mit der S8 fahren wir nach Hagen Hbf. Von dort aus sind es bis zur Ruhr noch ca. 4-5 km quer durch die Stadt. An Hagen habe ich noch schlechte Erinnerungen von einer Radtour vor ein paar Jahren, die wir dort haben enden lassen: Radfahrer haben bei dem Autoverkehr dort nichts zu lachen!
 

Von Hagen Hbf zur Ruhr

Zu meiner Verwunderung gibt es auf dem Bahnhofsvorplatz aber inzwischen sogar eine Beschilderung Richtung Hattingen. An einigen Stellen gibt es auch neu angelegte Radwege. Aber trotzdem: Die 4,5 km bis zur Ruhr sind immer noch eine Geduldsprobe aufgrund der chaotischen Streckenführung und dem starken Autoverkehr.

Die Route aus Hagen heraus führt im Prinzip mehr oder weniger entlang der stark befahrenen Bundesstraße B54. Teilweise gibt es Radwege oder zumindest ist der Bürgersteig für Radler freigegeben. An mehreren Stellen sind wir aber auch gezwungen, auf der Straße zu fahren (z.B. über die lange Altenhagener Brücke zur Überquerung der breiten Bahntrassen). Nicht sehr angenehm. Hinzu kommen diverse Baustellen entlang des Straßenrands, die alles noch verschlimmern, da noch nichtmals mehr ein Bürgersteig existiert. Hoffentlich werden hier Radwege gebaut.  Ein kurzes Stück verläuft der Weg parallel zum Flüsschen Vollme, aber auch dies ist aufgrund der Kanalisierung nicht sehr idyllisch.

Für Familien mit Kindern ist von der Anfahrt von Hagen Hbf auf jeden Fall abzuraten.

Alternative?

Die S8 fährt (an Wochenenden?) als S5 weiter. Dann ist es wahrscheinlich besser in der S-Bahn sitzen zu bleiben und bis Hagen-Vorhalle oder möglicherweise auch gleich bis Wetter weiterzufahren. (Falls jemand die Weiterfahrt bis nach Hagen-Vorhalle mal ausprobiert: Bitte kurzen Erfahrungsbericht an mich.)
Endlich am Wasser
 

Als wir Hagen auf der Ruhrbrücke verlassen und das grüne Ruhrufer erblicken ist das Ungemach aber schnell vergessen: Ein schöner autoverkehrsfreier, idylischer Uferweg. Allerdings nichts für eilige Zeitgenossen, da Enten und Gänse den Weg säumen -- und auch mal queren.


Imposantes Eisenbahn-Viadukt bei Herdecke
 

Wetter-Besichtigung

Als nächstes kommen wir nach Wetter und statten oben auf dem Berg der Burgruine und der Altstadt mit den hübschen Fachwerkhäusern der "Freiheit" einen Besuch ab.


Der Bergfried der Burgruine Wetter
 

Tipp: Links neben der Burgruine die Treppe hinunter gehen. Dort gibt es einen schönen Aussichtspunkt mit Blick auf den Harkortsee.


Blick auf den Harkortsee
 

Beim Verlassen von Wetter stoßen wir auf einen Biergarten ("Bootshaus") direkt am Radweg und mit Blick auf das Wasser. Das lassen wir uns nicht entgehen und genehmigen uns etwas zu trinken. Die Pommes mit Currywurst der anderen Gästen sehen aber auch nicht schlecht aus.
 

Von Burgruine zu Burgruine

Zwischen Wetter und Wengern verläuft der Weg auf der anderen Ruhrseite sehr schön durch die Ruhrauen. Vorher gibt es allerdings noch eine eher unangenehme Überraschung. Um bei Oberwengern auf die andere Seite der Bahnlinie zu gelangen, müssen wir die Fahrräder die steile Treppen einer Unterführung rauf und runter tragen (wie am Bahnhof). Mit viel Gepäck kann das eine ziemliche Plackerei werden.


Die Ruhrauen zwischen Wetter und Wengern
 

Bei Wengern gibt es eine leichte Steigung entlang der Straße (Radweg). Dann gibt es aber eine neue Radwegführung entlang der Bahnlinie (obere Trasse). Die untere Radwegtrasse ist noch nicht fertig (was einige unentwegte Radler nicht davon abhält, sie trotzdem zu nutzen).

Bei Witten Überqueren wir erneut die Ruhr. Das Tal ist auf dieser Seite aber sehr eng. Daher fahren wir 1-2 km direkt neben der stark befahrenen Straße.  Danach entfernen wir uns wieder von der Straße, bleiben am Ufer. Auf der anderen Ruhrseite befindet sich die Burgruine Hardenstein. Es gibt hier zwar keine Brücke, aber wer die Ruine besichtigen will, kann mit der gleichnamigen putzigen Mini-Fähre übersetzen.


Burgruine Hardenstein
 

Seen-Romantik

Wir verzichten diesmal auf einen Seitenwechsel und "umrunden" den Kemnader See, wo Volksfeststimmung an diesem wunderbaren Mai-Wochenende herrscht. Die Wege sind sehr gut asphaltiert, wegen der vielen Radler und Skater kommen wir aber teilweise nur langsam vorwärts.


Blick auf den Kemnader See
 

Abstecher zur Wasserburg "Haus Kemnade"

Während die Ruhrtal-Strecke bisher auf der Kaiserroute verlief, verlassen wir diese jetzt übrigens. Erst hinter dem Kemnader-See überqueren wir aufgrund eines zweideutigen Wegweisers die Ruhr wieder und statten Haus Kemnade auf der südlichen Ruhrseite somit einen unfreiwilligen Besuch auf der Kaiserroute ab. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn "Haus" ist die Untertreibung des Tages. Es handelt sich um eine recht stattliche Wasserburg. Im Burghof befindet sich übrigens ein Biergarten, der recht einladend aussieht.


Wasserburg Haus Kemnade
 

Da wir schon auf der Südseite sind, wo sich auch Hattingen befindet, wollen wir den Weg auf der Kaiserroute fortsetzen. Allerdings hört die Beschilderung hinter Haus Kemnade auf und laut Karte führt die Strecke über mehrere Kilometer über die enge Landstraße entlang der Ruhr mit möglicherweise viel Autoverkehr. Das ist uns zu ungemütlich. Außerdem sieht es auf der Karte so aus, als könnte es in der Umgebung von Blankenstein einige Steigungen geben. So kehren wir zur Ruhrtal-Route auf die Nordseite zurück.
 

Zum "Rothenburg der Ruhr"

Auf der Nordseite ist es topfeben und wir kommen auf autofreien Wegen stressfrei vorwärts. Immerhin bekommt man von hier aus auch die Burg Blankenstein zu sehen, wenn auch nur in einiger Entfernung.


Burg Blankenstein
 

Um nach Hattingen hinein zu kommen, müssen wir dann allerdings später wieder die Seite wechseln. An der lang gestreckten Brücke über das Ruhrtal angekommen (Bundesstraße mit abgesetzten Radwegen) fehlt leider jegliche Beschilderung. Das mit dem "Rothenburg der Ruhr" scheint man hier selbst  nicht wirklich ernst zu nehmen, sonst hätte man doch wohl eine Beschilderung für die Radler gemacht, wie man am besten vom Radweg nach oben auf die (rechte Seite der) Brücke kommt, um in die Hattinger Innenstadt zu gelangen.

Tipp: Vor der Brücke die Straße den kleinen Berg rauffahren. Oben gibt es eine Ampel, über die man auf die rechte Seite kommt. Intuitiv fahren wir unter der Brücke durch. Die Straße führt aber hier nicht auf die Brücke, sondern von der Brücke weg. Es gibt hier allerdings noch einen etwas versteckten Fußgängerweg zur Brücke rauf.

Wenn man erst einmal auf der Brücke ist, geht es wieder einfach: Über die Brücke und dann immer geradeaus geht es auf einem Radweg entlang der viel befahrenen Straße. Nicht idyllisch, aber der Weg ins Zentrum von Hattingen ist dadurch sehr einfach. Auf der Hattinger Seite gibt es dann auch eine sehr gute Beschilderung zur historischen Altstadt. Ins Zentrum von Hattingen geht es übrigens einen Berg hoch.

Vom Radweg aus ist unser Hotel bereits ausgeschildert. Wir wollen allerdings zuerst weiter in die Altstadt, um uns etwas zu stärken.
 

Altstadt-Besichtigung

Zunächst sind wir von der historischen Altstadt etwas enttäuscht: Am (neuen) Rathaus stoßen wir auf eine ganz nette aber ansonsten wenig spektakuläre Fußgängerzone. Die wirkliche historische Altstadt findet man dann erst, wenn man ca. 500 m die Fußgängerzone nach rechts fährt bzw. schiebt. Hier (am Ober- und Untermarkt) wird es dann wirklich urig mit hutzeligen Fachwerkhäusern und verwinkelten Gässchen. Es herrscht eine schöne Restaurant- und Kneipen-/Bistrokultur. Zunächst stärken wir uns im Cafe am alten Rathaus (Haldenplatz).


Das alte Rathaus in Hattingen
 
 

 Hintergrundinfos zu Hattingen:
  • Ende des 14. Jahrhunderts erhielt Hattingen Stadtrechte.
  • 1420 Beitritt zur Hanse und damit südlichste Hanse-Stadt
  • Über 140 restaurierte Fachwerkhäuser und andere Baudenkmäler, meist aus dem 16. Jahrhundert.
  • Weitere Infos: siehe www.verkehrsverein-hattingen.de

Die Hattinger Altstadt als Rothenburg (der Ruhr) zu bezeichnen erscheint uns leicht übertrieben, aber sehr nett ist es trotzdem und die Atmosphäre haben wir als sehr angenehm empfunden. Immerhin gilt der Kirchplatz angeblich als der schönste in ganz Westfalen.


Die St.-Georgs-Kirche
 

Das Bett&Bike-Hotel

Dann geht es (praktisch wieder zurück) zu unserem Bett&Bike-Hotel "Avantgarde", wo wir uns frisch machen für das Abendessen inkl. Bummel durch die Altstadt. Bevor es losgeht, bekommen wir an der Hotelbar noch unser Begrüßungsgetränk (für Radler im Zimmerpreis inbegriffen).

Unser Hotel -- das einzige Bett&Bike-Hotel in Hattingen -- liegt in einem mittelprächtigen Wohngebiet gut 10 Gehminuten von der Altstadt entfernt (Welperstr. 49). Es ist eher ein Business-Hotel und wirkt von außen eher nüchtern.  Unser Zimmer (46) ist modern/funktional eingerichtet, aber nicht unangenehm. Es ist sogar eine Kochecke vorhanden. Vor allem ist alles wie bestellt: Nichtraucher, ruhig, groß: ca. 30 qm. Das hat aber auch seinen Preis (89 €). Es hätte aber auch preiswertere Zimmer gegeben.


Abendstimmung in der Hattinger Altstadt: Das Bügeleisenhaus
 

Sonntag, 7.5.2006: Hattingen -- Kettwig, ca. 41 km

Starkes Frühstück

Unser Hotel bietet ein tolles Frühstücksbuffet mit allem drum und dran, u.a.:

Rührei
frisches Obst
Apfelsinen zum Selberpressen (mit Elektropresse)
Mineralwasser
Kuchen.
 

Zurück zur "Piste"

Um schneller wieder an die Ruhr zu kommen, umfahren wir die Altstadt auf der Straße, was aber kein Problem ist, da es meist Radwege gibt.
 

Entlang des südlichen Ruhrufers zur "Roten Mühle"

Wir bleiben auf der südlichen Ruhrseite, die sich gleich von ihrer besten Seite zeigt. Der Radweg führt schön durch eine grüne Uferlandschaft. Nach ein paar Kilometern vollzieht die Ruhr eine kühne 180-Grad-Kehre. Die felsigen und burggekrönten Berge vor uns habe ihr den Weg versperrt.


180-Grad-Schleife der Ruhr bei Hattingen (oben rechts auf dem Berg zu erahnen: die Isenburg)
 

Der Weg führt heute die meiste Zeit auf gut bis sehr gut asphaltierten Wegen nah entlang des  Ruhrufers -- sehr schön. Allerdings sind bei dem schönen Wetter auch viele andere Radler, Walker und Spaziergänger unterwegs. Auf den Kilometern bis Dahlhausen ist der Weg zudem eher schmal, so dass man aufgrund der vielen Familien mit Kindern recht vorsichtig fahren muss. Hinter Dahlhausen wird es aber wieder besser. Teilweise gibt es sogar richtig breite Straßen (ohne Autoverkehr).

Sehr schön ist auch der Abschnitt zwischen Rellinghausen und dem "Fährhaus Rote Mühle", wo wir eine Rast für eine große Apfelschorle einlegen.


Ruhrtal-Radweg bei Rellinghausen
 


Biergarten "Rote Mühle"
 

Über Werden nach Kettwig

Kurz vor dem Baldeneysee wechseln wir wieder auf das südliche Ufer. Zum Teil sind die Wege hier wieder sehr breit, allerdings ist auch hier wieder ziemlich viel los. Vor allem die Skater fordern unsere ganze Aufmerksamkeit. Manche sind so unsicher, dass sie heute zum ersten Mal zu fahren scheinen.

In der Umgebung von Haus Scheppen kommen dann auch noch für eine kurze Strecke Motorradfahrer hinzu. Wie gut, dass wir schon in der Roten Mühle Rast gemacht hatten. Dort war es ruhiger.

Die vielen Segelboote auf dem See vor dem Hintergrund der grünen Hügel sind ein toller Anblick.

In Werden machen wir einen kleinen Abstecher durch die Altstadt zur sehenswerten Abteikirche. Dann wechseln wir wieder zum Nordufer über.


Die Abteikirche in Werden
 

Besonders schön ist die Strecke zwischen Werden und Kettwig. Leider ist die Renovierung des Uferradwegs kurz vor Kettwig noch nicht abgeschlossen und wir müssen eine längere recht holprige Umleitung fahren.
 

Altstadtbesichtigung in Kettwig

Die Altstadt von Kettwig ist sehr hübsch. Nachdem wir uns mit den Örtlichkeiten vertraut gemacht haben, entscheiden wir uns für eine Rast im Brücken-Cafe am Mühlgraben.

Tipp: Auf der ersten Etage gibt es eine schöne Terrasse mit Blick auf die Ruhr. Außerdem gibt es hier leckere Kuchensorten. Ich entscheide mich für den böhmischen Pflaumenkuchen (sehr empfehlenswert!).

Danach machen wir noch einen kleinen Altstadtrundgang. Sehr schön ist die Kirchtreppe von der Ruhrstraße rauf zur alten Kirche.


Die Kirchtreppe in der Kettwiger Altstadt
 

Rückfahrt

Anschließend geht es zur S-Bahnstation Kettwig, die ca. 1-2 Kilometer von der Altstadt entfernt liegt. (Praktisch: In Richtung Düsseldorf kann man direkt auf den Bahnsteig fahren.)
 

Fazit

Alles in allem: Tolle Tour mit viel Landschaft und Sehenswürdigkeiten wie Burgen und schönen Altstädten. Häufig sehr gut asphaltierte Wege direkt am Ufer, kaum Abschnitte mit Autoverkehr.
 


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Lob und Tadel an den Verfasser